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die Annahme der Kaiserkrone von dem freien Einverständ- niß der gekrönten Häupter, der Fürsten und freien Staaten Deutschlands, abhängig, und enthält ferner die inhaltsschweren Worte, daß es jetzt „an den Regierungen der einzelnen deutschen Staaten sein werde, in gemeinsamer Berathung zu prüfen, ob die Verfassung dem Einzelnen, wie dem Ganzen, fromme."
Deutsche Brüder! Wir Alle haben uns in den Märztagen des vorigen Jahres erhoben für die Freiheit, die Einheit und die Macht unseres Vaterlandes. An jedem deutschen Throne klopften damals dieselben Forderungen an, und jeder Widerstand scheiterte an dem zum Bewußtsein gekommenen Willen des Volks. Die deutsche verfassunggebende Nationalversammlung, hervorgegangen aus dem übereinstimmenden Willen der Fürsten und Volksstämme Deutschlands, hat uns dem Ziele unserer Erhebung näher geführt; sie hat dem deutschen Volke die Grundrechte, sic hat ihm seine Reichsverfassung gegeben, und mit diesen die Bürgschaften für seine Freiheiten, für die Einheit, die Macht des Vaterlandes! Doch kaum sind diese heiligen Güter Eigenthum der Nation geworden, so sollen sie schon wieder in Frage gestellt werden. Die bereits als Gesetz verkündete deutsche Reichsverfassung soll für die deutschen Fürsten nur Gegenstand der Berathung sein.
Deutsche Brüder! Wenn Ihr Eure Freiheiten wenn Ihr Euer Vaterland retten wollt, wenn der deutsche Name nicht mit Schmach bedeckt werden soll, so muß auch das Jahr 1849 seine Märztage haben! Darum rufen wir Euch zu bei dem heiligen Namen des Vaterlands:
Seid einig und handelt!
Tretet hin vor Eure Fürsten, und fordert von ihnen, daß sie die deutsche Neichsverfassung unverweilt und offen anerkennen, sowie den Beschlüssen der Reichsversammlung in Bezug auf die Uebertragung der deutschen erblichen Kaiserwurde an den König von Preußen Folge geben! Wir haben in diesem Augenblick beschlossen, diese Forderungen an unseren deutschgesinnten Fürsten zu stellen; sie müssen die Runde durch ganz Deutschland machen, und, gleich den Märzforderungen des vorigen Jahres, überall gewährt werden.
Um diesen Preis kann allein das Band zwischen den Fürsten und Volksstammen Deutschlands aufrecht erhalten werden, denn unser Andenken würde dem Fluche und der Verachtung der kommenden Geschlechter überliefert werden, wenn wir so feige wären, unsere Freiheit, unsere Rechte und das Wohl des Vaterlandes an dynastische Interessen zu verrathen.
In diesem entscheidenden Augenblicke müssen alle Son- derintereffen schweigen; sie müssen zur eignen Rettung sich unterordnen dem Wohle des Ganzen! Ist das Vaterland, das große, frei, einig und mächtig, so folgt daraus von selbst, was den einzelnen Stämmen frommt.
Darum deutsche Brüder, seid einig und handelt! Das Vaterland ist in Gefahr, rettet es, ehe es zu spät ist.
Deutschland vor Allem!
Carlsruhe am 9. April 1849.
Anlage B.
Deutsche Brüder!
Unsere große National-Verfassungsfrage ist in ihrem letzten entscheidenden Moment angelangt; doch schwankt die Ausführung in der politischen Wagschale zwischen Anerkennung der Centralgewalt oder abermaliger Zerschellung der Einheit und Freiheit Deutschlands. — Soll auch, besonders wo es um die wichtigsten Interessen eines großen Volkes, um sichere Erreichung des Zwecks, sich handelt, der Weg der Verständigung nicht ausgeschlossen sein, so würde doch eine in Aussicht gestellte Verfassungs-Octroyirung, und die bereits angesonnene Vereinbarung der zum Verfassungsbeschluß allem berechtigten deutschen Nationalversammlung mit den einzelnen Regierungen, die angestrebte deutsche Einheit, und mit ihr die Freiheit, wieder begraben. Wir finden eine Ursache des Schwankens im Mangel, daß die öffentliche Meinung sich in dem Maaße noch nicht ausgesprochen hat, daß die entgegenstehenden Bedenklichkeiten, ob das beschlossene Verfassungswerk mit einem Monarchen noch auf die Unterstützung des Volks rechnen könne, ganz gehoben wären. Die Nationalversammlung und die von ihr geschaffene Centralgewalt kann in Muth , Entschlossenheit und Ausdauer nur dann bestärkt werden, und kann die Ueberzeugung ihres wirklichen Berufs und ihrer Macht nur dann gewinnen, wenn sich beide vom Willen des Volks gehoben und getragen sehen.
Unter diesen Umständen scheint uns nothwendig, daß Männer dentscher Gesinnung, besonders in politischen Vereinen, ihre ganze Thätigkeit dahin richten, daß unzweideutige Erklärungen der Zustimmung zu den Frankfurter Beschlüssen hervorgerufen werden. Der unterfertigte Verein hat in diesem Sinne, und daß die Nationalversamm- lung an dem endgültig beschlossenen Verfassungswerk entschieden festhalte, bereits wiederholte Adressen erlassen.
Teutsche Vereine und Mitbrüder! Wir fordern euch dringend auf, auch eure Kräfte zu vereinen und den Willen des Volkes kund zu geben. Auf den Grad der demokratischen Grundlage, in dem sich die Vereine bewegen, kommt es nicht an, denn alle werden einverstanden sein, daß, wo dem Parlamente und der Centralgewalt abgebrochen wird, nur die Gewalt der Fürsten gewinnt und das Volk in seinen Rechten verliert, daß eine angesonnene Verfassungsvereinbarung dem Oberhaupt eine Kapitulation vorschreiben, die Centralgewalt zur Unmacht verdammen würde.
Nehmt unseren Mahnruf, im Interesse der deutschen Freiheit, wie der Einheit, willig auf, und folgt ihm im Bedürfnisse der Zeit, mit Würde und Nachdruck!
Augsburg am 19. April 1849.
Herausgegeben, verlegt und gedruckt von Heinrich Hotop in Cassel.