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Nationalversammlung zu Frankfurt a. M., von welcher das deutsche Volk ausschließlich sein Heil und seine Rettung zu erwarten hat. Und wie im Frühlinge des vergangenen Jahres die hohe Versammlung von den Fürsten und Völ­kern berufen ward, um für die Gesammtheit Dasjenige zu thun, was die Selbstsucht der Einzelnen nimmer zu thun weiß, — die Verfassung für das deutsche Reich zu schaffen, so ergeht jetzt und aus gleichen Ursachen gleicher Maaßen an sie der Ruf der Geschichte: die Verfassung Deutschlands zu vertheidigen und durchzuführen!

Dieser Aufgabe hat sich die hohe Versammlung bereits zu unterziehen begonnen. Die denkwürdigen Beschlüsse des 28. März, die Erklärung Ihrer Deputation an die Mi­nister des Hofes von Berlin, haben den Weg der edeln Entschlossenheit bezeichnet, auf welchem das Volk seine Ver­treter fort und fort zu erblicken hofft. Die Würde und Besonnenheit, womit die hohe Versammlung ihr Werk unter- tausendfachen Schwierigkeiten fest und treu zu Ende führte, ist in der Geschichte ohne Beispiel, möchte auch die That­kraft, womit die deutsche Nationalversammlung im Geiste des 28. März und 4. April beharren wird, in der Ge­schichte ohne Beispiel sein.

Der hohen Versammlung aber möge der Jubel und der Dank, den Ihr Werk im besten, im unverdorbenen Theile des Volkes gefunden hat, eine Bürgschaft dafür sein, daß dieses Werk auch in der Ausführung gelingen wird und gelingen muß. In der hohen Versammlung selbst wird die erneute Eintracht und die erneute Begeisterung, womit auch die verschiedenen Parteien des Hauses für die gemeinsame Ehre und die gemeinsame Psticht zusammen­stehen werden, dem ganzen Volke zum leuchtenden Beispiel dienen. Wer es wohl mit dem Vaterlande meint, und wem die moralische Kraft nicht in politischen Ausschwei­fungen ganz verzehrt ward, der wird, wie in jenen Früh­lingstagen des verwichenen Jahres, aufs Neue zu seinem Parlamente stehen. Haltet treu und muthig aus! So ruft Euch auch die Stimme der Besonnenen, der Gemäßig­ten, der Erhaltenden, entgegen.

Es gilt dieses Mal keine leichtsin nig e, keine ziellose und schwankende Bewegung. „Dies ist unser!" So laßt uns sprechen, und fest es be­halten.

Haltet treu und muthig aus; dann wird das Volk das ganze ungeteilte Volk sich um Euch schaaren, wie ehedem. Haltet treu und muthig aus! Es wird und muß gelingen.

Cassel, den 8. April 1849.

Der Vorort des nationalen Vereines für Deutschland.

Der Vorort hat sich in dieser hochwichtigen Angelegen­heit nicht darauf beschränkt, die nächstvorstehende Adresse in urschriftlicher Ausfertigung an die hohe Nationalver­sammlung zu überschicken, und das Rundschreiben den sämmtlichen dem nationalen Vereine verbündeten Vereinen zuzufertigen; sondern er hat auch einen Abdruck der erste­ren in mehreren 100 Exemplaren zur Vertheilung an die Reichstagsabgeordneten nach Frankfurt gesendet, und das

Rundschreiben auch solchen Vereinen mitgetheilt, die sich Jenem noch nicht angeschloffen haben, sogar solchen, die in ihrem politischen Glaubensbekenntnisse von dem seines Programmes einigermaßen abweichen, bei denen jedoch eine acht deutsche Gesinnung vorausgesetzt werden konnte, indem wir uns gern der Ueberzeugung hingeben, daß wer nur von dieser Gesinnung wahrhaft beseelt ist, auch da nicht fehlen werde, wo es gilt, das große Werk der deut­schen Einheit und Freiheit gegen Angriffe aller Art mit Nachdruck zu vertheidigen. Wir folgen in dieser Ueber­zeugung dem erhebenden Ausruf v. Beckeraths in der Sitzung der Nationalversammlung vom 4. April, der wohl Manchem, welcher bisher nur allzu beharrlich an einseiti­ger Parteiansicht festhielt, tief in das Herz gedrungen ist: „Die Parteien stehen sich in diesem Hause schroff gegen­über ; aber darin werden alle Parteien einig sein, die Würde dieses Hauses vor Deutschland, vor Europa, auf­recht zu halten."

Noch ehe das Rundschreiben den Vereinen zugegangen war, gelangten schon aus deren Mitte mehrfache Aufforde­rungen zu einer dem Inhalte desselben entsprechenden Thä­tigkeit an den Vorort. Zunächst von dem politischen Vereine zu Hanau, welcher in Folge eines einstimmig gefaßten Beschlusses, „die feierliche Erklärung abgiebt, daß er, treu dem an die Spitze des Programms des natio­nalen Vereins gestellten Prinzip, die von der Nationalver- sammlung endgültig beschlossene Verfassung als ohne Wei­teres für Alle, Regierungen wie Volker, als bindend an­erkenne , und bereit sei, für deren Aufrechthaltung und Durchführung mit allen seinen Kräften zu kämpfen ; zugleich aber auf die Gefahren hinweist, welche es mit sich führe, wenn „auch die Männer, welche sich stets fern von der eigentlichen Umsturzpartei gehalten hätten", veranlaßt würden, „sich auf den Ruf der National­versammlung gegen die Regierungen zu erheben, welche nicht thun sollten, was ihre Psticht gegen das deutsche Vaterland erfordert!"*) — Der Volksverein zu Schmal­kalden, welcher sich schon früher in dieser Angelegenheit kraftvoll genug geäußert hatte (oben S. 68), fordert den Vorort zur Protestation gegen die in der Antwort des Königs von Preußen enthaltene Ansicht: „daß die deutsche Reichsverfaffung noch einer Anerkennung der Einzelregie­rungen Deutschlands bedürfe", auf, indem er zugleich an die Staatsregierung das Ansuchen gerichtet hat: „die Wahl des Königs von Preußen zum erblichen deutschen Kaiser unter dem ausdrücklichen Vorbehalt anzu­erkennen, daß die von der Nationalversammlung bereits ertheilte Reichsverfassung unverändert bestehen bleibe, auch dahin wirken zu wollen, daß Seitens der übrigen deut­schen Regierungen ein gleiches Anerkenntniß dieser Wahl erfolge." — Von diesem letzteren Gesichtspunkte aus hat auch schon der Vorort sich, unter Beifügung der Adresse mit dem Rundschreiben, an die hiesige Ständeversammlung gewendet, derselben jedoch die weiteren Schritte bei der Staatsregierung überlassen. — Der vaterländische Verein zu Braunschweig theilt uns eine Adresse an die Natio-

*) Eine in diesem Sinne von dem gedachten Vereine an die kurhessische Staatsregierung gerichtete Petition findet sich in Nr. 85 der Franks. O. P. A. Zeitung adgedruckt.