Blätter
des nationalen Vereines für DeNtschlÄRd, veröffentlicht
durch den Vorort dieses Vereines.
Mr. 16.
Cassel, den 14. April.
184»
Diese Blätter erscheinen wöchentlich ein Mal, Sonnabends, einen halben Bogen stark. Beilagen werden nach Bedürftliß beige« fügt. Der Abonnementspreis beträgt 7% Sgr. für das Quartal, wofür alle Kurhessischen Postämter sowie alle Buchhandlungen ohne Preiserhöhung Bestellungen annehmen. Bei den übrigen Postämtern wird nur ein geringer Aufschlag berechnet werden. Anzeigen jeder Art werden die Pctitzeile oder deren Naum mit 1 Sgr. berechnet.
Rundschreiben an sämmtliche verbundenen Vereine.
„Jetzt oder Nie! ist die Losung, und wer sein Vaterland liebt, der darf in dieser Stunde der Entscheidung kein müßiger Zuschauer bleiben!" So sprach sich in diesen Tagen in einem Schreiben an den unterzeichneten Vorort einer unserer gesinnungstuchtigsten Bundesgenossen aus; und doch waren, als diese bedeutungsvollen Worte niedcr- geschrieben wurden, die allernenesten Ereignisse noch nicht eingetreten, die das große Werk, welches kaum, zur allgemeinen Befriedigung, aus den Händen der verfassunggebenden Nationalversammlung hervorgegangen ist, und in welchem das deutsche Volk eine sichere Bürgschaft für die Begründung der Einheit, Freiheit, Macht und Wohlfahrt unseres gemeinsamen Vaterlandes zn erblicken glaubt, mit einer die Erreichung dieses hohen Zweckes wesentlich gefährdenden Verkümmerung, wo nicht gänzlichen Vernichtung, bedrohen.
Dieser mit starken Schritten herannahenden Gefahr mit allen seinen Kräften entgegen zu wirken, liegt vorzugsweise dem nationalen Verein schon nach seiner ganz eigenthümlichen Bestimmung ob; die heilige Verpflichtung zur thätigen Mitwirkung hierzu hat jedes Mitglied dieses Vereins durch die seinen Beitritt bedingende Unterwerfung unter das Gelobniß im §. 4 des Programms: „die Beschlüsse der deutschen Reichsversammlung gegen alle ungesetzlichen, anarchischen wie reaktionären, Angriffe aufrecht zu erhalten," übernommen. Nur dieser statutenmäßigen Verpflichtung genügt der Verein, indem er gerade im gegenwärtigen Momente der äußersten Gefährdung der Selbstständigkeit der Nationalversammlung durch den Ver
such, die reelle Geltung und Wirksamkeit der von dieser hohen Versammlung bereits endgültig beschlossenen und feierlich verkündigten Reichsverfassung von einer weiteren Prüfung nnd Genehmigung der Regierungen abhängig zu machen, als Vertreter des Kerns der deutschen Nation der Nationalversammlung an die Seite tritt, und das Vertrauen bethätigt, welches in der Mitte dieser hohen Versammlung von deren Berichterstatter über den endlichen Abschluß der Verfassung in so erhebenden Worten ausgesprochen wurde: „Wir empfehlen unser Werk vor Allem der Kraft des deutschen Volkes, des Volkes, welches unüberwindlich ist, sobald das Recht ihm zur Seite steht!"
Das ist es, worin wir den Beruf und die Ermächtigung gefunden haben, im Namen des Gesammtvereines die hier nachfolgende Adresse an die Nationalversammlung zu richten; wir haben in ihr ruhig und geniessen das Mindeste gesagt, was sich den Feinden des Vaterlandes gegenüber sagen ließ; wir haben darin nichts Anderes gesagt, als was ans der von uns gestntzten Achtung vor dem deutschen Parlamente für jeden Ehrenmann mit Nothwendigkeit folgen muß. Wir durften damit keinen Tag länger säumen; aber gleichzeitig fordern wir die sämmtlichen verbündeten Vereine dringendst auf, daß sie auch ihrerseits, ein Jeder für sich besonders, mit einer Adresse in gleichem Sinne ungesäumt vor diese Versammlung hintreten, um dadurch einen um so augenfälligeren Beweis von der unbedingten Uebereinstimmung des deutschen Volkes jeden Stammes hinsichtlich dieser allerwichtigsten Lebensfrage darzubieten.
Vornehmlich ist es eine zwiefache, von dem preußischen Ministerium in seiner neuesten Circularnote eingeschlagene Richtung, welcher die Nationalversammlung mit allem