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Wie auch im inneren Bereiche des nationalen Vereins ein immer regsameres Leben sich entfaltet, und wie von mehreren der durch Eifer und Thätigkeit für das Gesammt- Interesse sich auszeichnenden Vereine für die möglichste Verbreitung der Theilnahme an den hochwichti­gen Zwecken des nationalen Vereins und aller seiner Zweigvereine Sorge getragen wird, davon geben zwei in den letztverflossenen Monaten neu gegründete Organe für die Veröffentlichung der Ergebnisse ihrer Wirksamkeit den überzeugendsten Beweis. Ein solches Organ gewann sich der Ceutralausschuß der deutschen Vereine am Mittel­rhein zu Gießen seit dem Februar d. I. an dem Darm­städter Journal unter der ausdrücklichen Bezeichnung als Eentral-Organ für die deutschen Vereine am Mittelrhein", welches, neben dem stehenden ArtikelVereins -Mitthei­lungen" manche für die gemeinsamen Interessen der Mit­glieder des nationalen Vereins wichtigen Aufsätze enthält. Ein anderes, den Vereinszwecken noch spezieller gewid­metes, Organ ist das seit dem März d. I. zu Leipzig erscheinendeCorrespondenzblatt der deutschen Vereine Sachsens", aus dessen vier ersten Nummern wir hier nur folgende Nachrichten von besonderem Interesse mittheilen wollen: Die deutschen Vereine in Sachsen stehen gegen­über den dasigen Vaterlandsvereinen, welche mit den An­sichten der Mehrheit der dermaligen Kammermitglieder übereinstimmen, und sich daher der besonderen Protection des Hrn. Dr. Schaffrath zu erfreuen haben. Von den unter dem deutschen Gesammtvereine begriffenen Zweig­vereinen (vergl. oben S. 63) bestehet der zu Dresden aus ungefähr 2000 Mitgliedern, der zu Zwickau zählte schon wenige Monate nach seiner Entstehung 821 Mit­glieder, und der zu Döbeln enthält 220 Mitglieder. Dem deutschen Centralvereine haben sich sodann weiter sieben demokratisch - constitutionelle Vereine im Reußi- schen angeschlossen, auch sind mit demselben fünf benach­barte Volksbildungsvereine in Cartell getreten, und, außer den ihm bereits angehörigen Vereinen im Voigtlande, sind daselbst weitere zu Auerbach, Adorf mit Neukirchen, und Elster, entstanden. Weiteres hierüber in der nächsten Nummer.

Handel und Gewerbe betreffend.

Von dem vaterländischen Vereine zu Karlsruhe ist uns unterm 13ten Febr. d. I. eine Mittheilung zugegangen, welche den Bericht über die Versammlung jenes Vereins vom 20sten Decbr. v. J. enthält, aus dem wir ersehen, daß auch dieser Verein, gleichwie der hiesige Bürgerverein,

neben seinen politischen Bestrebungen die Tagesfragen der Industrie zum Gegenstände seiner Verhandlungen machte. Der Bericht behandelt einmal: die in Beziehung auf die deutsche Zollfrage von dem Vereine an das deutsche Par­lament erlassene Adresse, deren Veranlassung zunächst ein von mehreren See- und Handelsplätzen ausgegangener Entwurf zu einem deutschen Zolltarif abgegeben hat; au­ßerdem erwähnte derselbe die zur Gründung örtlicher Credit-Institute zum Besten des Gewerbstandes gestellten Anträge, auf welche hin der Verein die Gründung einer Gewerbsleihekaffe beschlossen hat, und enthält endlich eine Darstellung derjenigen Wünsche der Gewerbtreibenden, welche auf Einrichtungen zur Beseitigung des mißbräuch­lichen, überlangen Creditirens gerichtet sind. Der oben erwähnte Zolltarifs-Enrwurf ist, wie auch dahier bereits verlautet hat, im Sinne der Freihandels-Partei abgefaßt, zu deren Anhängern sich der vaterländische Verein zu Karlsruhe nicht zählt, deren hauptsächlichste Vertreter aber bekanntlich nicht nur unter dem Hamburger Han­delsstande, den im Zwischenhandel beschäftigten Rhedern und Importeuren Hannoverscher Küstenplätze, sondern auch unter einem Theile sächsischer Handelshäuser zu Leip­zig und der Borsenleute zu Frankfurt, zu finden sind. Derselbe ist daher nicht als ausschließlich von den alten Gegnern des großen deutschen Zollvereins ausgegangen zu betrachten, dem seiner Zeit die freie Stadt Bremen in der Anschlußfrage schon weit näher stand, als Hamburg und das Königreich Hannover. Wir erin­nern uns, daß, als Duckwitz von Bremen in das Reichs­ministerium eintrat, die Partei des Freihandels und die Gegner jeden Zollschutzes für die deutsche Industrie froh­lockten. Sie zählten diesen in der Handelspolitik wohl­erfahrenen Mann im Allgemeinen zu den ihrigen, sie glaubten mit dem Eintritt desselben in das Ministerium den Sieg ihrer Partei auch im Reichsparlamente mani- festirt zu sehen, und die Freunde der Industrie und ei­nes angemessenen Schutzes gegen die Uebermacht des Aus­landes fürchteten andererseits die Annahme eines Zoll- und Handelssystems im Sinne der über ihren Gründer weit hinausgeschrittenen Schule des alten Adam Smith, eines Systems, das an abstracter und unpolitischer Ver­blendung auf dem Gebiete der industriellen Fragen allein mit dem demokratischen Radikalismus mit allen seinen Trugschlüssen in der Politik zu vergleichen ist, und das den Schein seiner Begründung nicht selten mit dem äu­ßeren Glanze des WortesFreiheit" zu erhöhen ver­sucht hat.

Duckwitz erließ indessen, ohne Zweifel durch die all­gemeine Entwickelung des nationalen Selbstbewußtseins des deutschen Volkes in seinen eigenen Ueberzeugungen