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Der vaterländische Verein zu Braunschweig be­schloß am 25. v. M.drei ausführliche Erklärungen, welche den Beweis liefern, wie sehr durch die Verwerfung des Welcker'schen Antrages und das Verbleiben der österrei­chischen Abgeordneten das Zutrauen zum deutschen Parla­ment und zum Gelingen des Werkes erschüttert war. Jetzt, nach dem muthigen glücklichen Gelingen, können wir ruhiger uns die grausenhaften Stürme vergegenwär­tigen, die im ungünstigen Falle über unser theures Va­terland hereingebrochen wären, wenn die Nationalver­sammlung von ihren besten Freunden hätte verloren ge­geben werden müssen. Die erste Zuschrift ist an Ga- gern gerichtet, weichem Dank und Vertrauen für Ver­gangenheit und Zukunft ausgesprochen, und der aufgefor­dert wird, wieder an die Spitze zu treten;thun Sie, was Ihre Einsicht räth und Ihre Energie für möglich hält; wir, und trauen Sie, Millionen halten zu Ihnen ohne Wanken und Zagen. Das Volk ist rathlos, füh­rerlos. Sie sind berufen, ihm zu rathen, es zn führen. Das Ziel, wir sehen es klar vor uns; fuhren Sie uns den Weg zu diesem Ziele, und schnitte er auch tief durch Manches, das wir bisher geschont zu sehen wünschten. Schaffen Sie uns Preußens König zum deutschen Kaiser, der ordentliche Weg ist verbaut, schlagen Sie den außerordentlichen ein." Die zweite Adresse fordert die Minorität der 252 vom 21. März auf, den Muth nicht sinken zu lassen, sondern ihrerseits das Werk zu vollenden und Deutschland zn ret­ten. An die österreichischen Abgeordneten in der Pauls­kirche ergeht der dritte Zuruf, dessen Schluß also lautet: Sie haben den Geboten der Ehre wie der Pflicht ihr Ohr verschlossen. Sie haben im deutschen Parlamente gegen Deutschland gearbeitet. Sind Männer unter Ihnen, die es thaten, ohne sich klare Rechenschaft von der Lage der Dinge zu geben, so würden wir sie bedauern; sind Andere unter Ihnen, die mit Absicht handelten, um die Einheit Deutschlands zu stören, in welchem, wir wieder­holen es, nach dem Gebote ihres Kaisers für die Oester­reicher kein Platz mehr ist, so würden wir sie tief ver­achten. Sie hätten den Fluch der Nation verdient. Wir, Bürger von Braunschweig, begeistert für die Freiheit und Einheit des Vaterlandes, erklären Ihnen laut und aus­drücklich, daß Ihre Theilnahme an der Abstimmung am 21. März uns mit Bedauern über ihre Verblendung und mit Ingrimm über Ihre Hartnäckigkeit erfüllt. Wir fin­den in Ihrem Verfahren eine Versündigung an unserem Deutschland. Wir finden Ihre Haltung nicht von der Art, daß wir uns überzeugen könnten, sie sei mit poli­tischer Ehrenhaftigkeit gepaart. Wir sind der Ueberzeu­gung , daß es Ihre Pflicht sei, die Paulskirche zu verlassen, in welcher Sie fortan kein berechtigtes Element mehr bilden. Wir protestircu ein für allemal dagegen, daß Sie fer­nerhin als stimmberechtigt in der deutschen Reichsversamm­lung angesehen werden. Es wäre Ihre Pflicht gewesen, die innige und rege Sympathie, welche Deutschland für die Leiden Ihres Vaterlandes in so reichem Maaße be­thätigt hat, auf eine würdigere Weife zu vergelten. Sie haben sich nicht als deutsche Patrioten bewährt; wir kön­

nen Sie nicht zu den Männern zählen, welche auf unsere politische Achtung Anspruch haben. Das wollen wir Ihnen hiermit erklären."

Diesen drei Adressen schlossen sich Tags darauf als­bald 14 andere braunschweigische Vereine an, nämlich die Vereine zu Seesen, Räpke, Gittelde, Schöppenstedt, Hes­sen, Gandersheim, Calvörde, Vechelde, Lelm, Hassel­felde , Königslutter, Warberg, Salder und Lichtenberg.

Der neue vaterländische Verein zu Mannheim rich­tet seine Aufforderung vom 24. v. M. ebenfalls an die österreichischen Abgeordneten; darin heißt esu. A.:Von dem Augenblicke, wo die Depesche vom 9. März in Frankfurt anlangte, giebt es unseres Er­achtens keine österreichischen Volksvertreter mehr daselbst! Vom deutschen Gesichtspunkte ist ihr Austritt ei» Gebot d e r E h r e, vom öster­reichischen ein Gebot der Pflicht!

So spricht eine Simme ans Oesterreich, so sprechen Millionen Deutsche und so sollte auch wohl die Stimme Eures Gewissens sprechen. Dennoch wollt Ihr bleiben ? --Bleibet nicht in Frankfurt, bis cs kein Deutschland mehr giebt, sondern nur noch ein Oesterreich , ein Preu­ßen, einen Rheinbund! Ladet nicht die Schuld auf Euch, das Vaterland zu verderben, seine Zukunft zu zerstören; bewahret Euch vor der Verantwortung, Deutschland auf's Neue der Zersplitterung, der Schwäche und der Ohn­macht Preis zu geben; fürchtet den Flnch der kommen­den Geschlechter, wenn kriegs- und beutelustige Nachbarn sich in unser schönes Vaterland theilen; fürchtet die Stimme Eures eigenen Gewissens, das Euch des unheilvollsten Verraths anklagen wird! Legt ein Mandat nieder, das ohnedies erloschen ist! Handelt in der letzten Stunde als Männer von Ehre, des deutschen Namens würdig, damit wenn Ihr einst, wie wir hoffen, zur Wiedervereinigung mit uns zuruckkehrt, wir Euch freudig die Bruderhand reichen können."

Von ähnlichen Grundansichten ausgehend, richtete der Volksverein zu Schmalkalden vor dem 21. März die Bitte um Annahme des Welcker'schen Antrages in ergrei­fenden Worten an die Nationalversammlung, indem er ausführte, wie die österreichische Cabinetspolitik den Ruf: Oesterreich ist in Gefahr" begriffen habe, wie aber nun der Ruf:Deutschland ist in Gefahr" die hohe Versamm­lung, welcher der Wille des deutschen Volkes die Kraft, und, wenn nöthig, sein Gut und sein Blut dazu gebe, zu derrettenden That" erheben müsse, bevor es zu spät sei.

Ein glücklicher Stern hat gewaltet: der begründetsten Besorgnisse ungeachtet, war es an den denkwürdigen Ta­gen des 27. und 28. März noch nicht zu spät zur retten­den That , welche Kinder und Kindeskinder preisen wer­den, und welche mit großen Lettern in dem Buche der Weltgeschichte prangen wird!

Wir schließen für heute diesen Bericht und müssen die Mittheilung mancher sonstigen reichhaltigen Sendungen den nächsten Nummern vorbehalten.

Beilage.

Herausgegeben, verlegt und gedruckt von Heinrich Hotop in Cassel.