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deS Verfaffungswerkes, die ungesäumte Berufung des preußischen Herrscherhauses zur erblichen Kaiserwürde, verlangt. Wir begrüßen in dieser Uebereinstimmung nicht blos ein erfreuliches Zeichen der inneren Einheit unseres Vereines, der zu einer kräftigen politischen Partei erstarkt ist, sondern wir dürfen nach manchen Mittheilungen auch wohl mit Grund annehmcn, daß diese ernst mahnenden Stimmen nicht ohne nützlichen Einstuß in der Paulskirche selbst geblieben sind, vielmehr theils ermuthigend, theils bekehrend gewirkt, und so mitbeigetragen haben zu dem glücklichen würdevollen Gelingen. Für den Vorort aber lag eine Befriedigung darin, durch seine Adresse vom 25. v. M. (s. Nr. 13, S. 61 d. Bl.) den seitdem im gleichen Sinne vielfach an ihn gelangten Aufforderungen großtentheils zuvorgekommen zu sein.
Aber wenn auch in diesem Augenblicke das Verfassungs- werk zum Abschlusse gediehen ist, so behalten alle jene Kundgebungen der Vereine noch immer erhebliche praktische Bedeutung, nicht blos als Zeugnisse der Volksstimme für den erreichten Ausgang, sondern noch mehr mit Rücksicht auf das fortwährende Verbleiben der österreichischen Abgeordneten in der Nationalversammlung. Denn wenn auch trotz deren Mitwirkung bis jetzt der glückliche Erfolg nicht vereitelt werden konnte, so können doch noch Fälle eintreten, in welchen eine weitere Mitwirkung dieser beklagenswerthen Männer verwirrend und unheilvoll auf Deutschlands Entwickelung einwirken würde. Freilich sollte man es kaum für denkbar halten, daß die österreichische Politik noch ferner den Versuch wagte, Deutschland in der Paulskirche zu bekämpfen, und den früheren Reichsminister Schmerling auf seinem nunmehr doppelt kläglichen Feldherrnposten in derselben stehen zu lassen. Allein von österreichischer Seite ist schon so viel des Unglaublichen geschehen, daß man selbst dieses nicht für unmöglich halten kann. Wir halten uns jedenfalls verpflichtet, mindestens auszugsweise folgende, in dieser Hinsicht bisher eingegangene Mittheilungen hier zusammenzuftellen. *)
Der Bürgerverein zu Meiningen richtete — außer einer Dank- und Vertrauensadresse an Gagern — am 25. v. M. eine Eingabe an die Nationalversammlung, worin er diese auffvrdert, „die sofortige Entfernung aller österreichischen Abgeordneten aus ihrer Mitte durchzusetzen", welche „weder der Stimme der Pflicht, noch der der Ehre gehorchen, sondern der großen Mehrzahl nach, bewußt oder unbewußt, nur die dienstwilligen Werkzeuge
*) Auch der deutsche Verein zu Leipzig hat, Zeitungsnachrichten zufolge, übereinstimmend mit den nachfolgenden Mittheilungen Beschlüsse gefaßt, über die jedoch dem Vororte des nationalen Vereines bisher nichts Näheres bekannt geworden ist.
einer Regierung seien, welche ihrem Meister Metternich die größte Ehre mache."
Der vaterländische Verein zu Heidelberg richtete am 24. v. M. eine ausführliche „Erklärung" an die deutsche Nationalversammlung, in welcher es unter Anderem heißt: „Wenn die Oesterreicher" — welche „bleiben, als willkommene Strohmänner der Ollmützer Politik, der rothen Republik und des Ultramontanismus" — „ihr eigenes Schamgefühl nicht von ihren Sitzen treibt, wenn das deutsche Parlament keine Stimme des Unwillens und des empörten Rechtsgefühls gegenüber dieser Unempfindlichkeit hat, dann soll das deutsche Volk es laut fordern, daß es durch das ganze Vaterland klingt: Die Oester- reicher, die sich von Deutschland losgesagt, sollen auch nicht länger in deutschen Angelegenheiten mitrathen. Vielleicht, deutsche Volksvertreter, dringt dieser Ruf bis in die engen Räume, die Euch Euere Welt geworden sind, in denen Ihr taub geworden seid für das, was außerhalb dieser Räume vorgeht. Vielleicht wird Euch bald deutlich werden, daß Ihr am 21. März über die eigne Zukunft das entscheidende Loos geworfen habt. Das Eine aber sollt Ihr laut und wiederholt aus allen Theilen Deutschlands hören: Wenn Eure Beschlüsse überhaupt noch Anerkennung finden, noch eine rechtliche Geltung haben, wenn nicht Alles, was Ihr über die Verfassung feststellt, den lauten Protest im ganzen Volke hervorrufen soll, so verschließt den Oester- reichern die Paulskirche, sonst wird die Zeit nicht mehr ferne sein, wo man sie Euch selbst verschließ t."
Aus Schlüchtern ging uns eine äußerst lebendige Ausführung zu, mit der Ueberschrift: „Hinaus mit den Oesterreichern aus der Paulskirche," deren Verfasser der unseligen Abstimmung über den Welcker'schen Antrag als Augenzeuge selbst beigewohnt hatte. Der Verfasser giebt seine Entrüstung im vollsten Maaße kund: „nicht die Linke habe gesiegt über die Rechte, sondern blos die ekelhafte Verbindung von s. g. Republikanern mit den Jesuiten und den österreichischen Handlangern Metternich- Habsburgischer Kabinetspolitik, über 100 an der Zahl." Die Nichtberechtigung der Oesterreicher wird nachgewiesen und deren mangelndes Ehrgefühl scharf gerügt. Daran schließt sich die Aufforderung an alle Vereine und an den Vorort, wegen Hinausschaffung der „dickhäutigen" Oesterreicher aus der Paulskirche die Stimme durch ganz Deutschland ertönen zu lassen*)
*) Die Sendung traf leider erst am 28. v. M. ein, nachdem den Wünschen des Hrn. Verfassers bereits durch Nr. 13 entsprochen war; eine ausführlichere Mittheilung würde jetzt eine Wiederholung sein. A. d. R.