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zu vollenden, und, unbekümmert um wirkliche oder künst­lich bereitete Schwierigkeiten, zu der Königskrone, welche vor anderthalb Jahrhunderten Ihr erlauchter Vorfahr Sich selbst muthig auffetzte, die von Deutschlands Volk darge­botene Kaiserkrone hinzuzufügen, auf daß, wie das Kur­fürstenthum Brandenburg erblühte zu dem Königreiche Preußen, ebenso nunmehr dieses Königreich sich verschmelze mit dem großen deutschen Kaiserreiche!

In Ew. Majestät Händen ruhet nun die Zukunft Ihres Volkes, die Zukunft Ihres Hauses; Ew. Majestät Ent­schließungen werden entscheiden über die untrennbar ver­bundenen Geschicke Deutschlands und der ganzen civilisirten Menschheit; Ew. Majestät werden, deß vertrauen wir, in voller Würdigung des erhabenen Augenblicks rasch und entschieden dem von der Vorsehung vorgezeichneten Zuge der Weltgeschichte folgen, auf daß dermaleinst die Ge­schichte Deutschlands es verkünde, wie die neue Aera be­gonnen habe mit dem segenvollen Regierungsantritte des von dem deutschen Volke erwählten deutschen Erbkaisers Friedrich Wilhelm I.

Ehrfurchtsvoll verharret Cassel, am 29. März 1849.

Der Vorort des nationalen Vereins für Deutschland.

(Folgen die Unterschriften.)

Rundschreiben des Vorortes an sämmtliche ver­bundenen Vereine.

Die Niederlage, welche durch die Verwerfung des Welckerschen Antrages der heiligen Sache des Vaterlandes bereitet worden war, hat rascher und großartiger, als man es zu hoffen wagte, zu einer kraftvollen Einigung und Erhebung der Nationalversammlung und zur Vollen­dung ihrer erhabenen Aufgabe geführt.Deutschland hat seine Verfassung! Deutschland hat seinen Kaiser!" Deutsche Brüder! wünschen wir uns, wünschen wir dem Vaterlande Glück, das uns aus des deutschen Volkes Schooß durch sein Parlament nen geboren ist! Als die große Nachricht hierher kam, fühlten wir uns verpflichtet, Namens des nationalen Vereines unsere Gesinnungen nnd Erwartungen dem erwählten deutschen Erbkaiser mittelst der vorstehenden Adresse auszusprechen. Unser Beruf und unsere Vollmacht zu deren sofortigem selbstständigen Erlaß konnte uns, da die Kürze der Zeit, wenn überhaupt vor dem officiellen Empfang der Deputation des Parlamentes eine Thätigkeit unseres Gesammtvereines eintreten sollte, eine vorherige Anfrage unmöglich machte, um so weniger

zweifelhaft sein, als jede Abweichung, welche etwa vor Beendigung des Verfassungswerkes in den Wünschen eines oder des andern Vereines noch stattfand, nunmehr unbe­dingt beseitigt erscheint. Der nationale Verein muß, nach dem Hauptgrundsatze seines Programmes, in allen seinen Gliedern die unbedingte Rechtsverbindlichkeit der deutschen Reichsverfassung, wie solche von der cvnstitnirenden Natio­nalversammlung beschlossen und verkündet worden, aner­kennen, er muß und wird alle seine Kräfte nunmehr ver­einigen zur Aufrechthaltung und Ausführung eben dieser Reichsverfassung und der auf deren Grund vollzogenen Kaiserwahl! Dieses Ziel zn erreichen wird jetzt für alle unsere werthen Bundesgenossen zunächst in ihrem engeren Vaterlande die heiligste Aufgabe bilden, und Jeder wird in der Gesammtheit Aller dabei Stütze und Beistand finden. Wohl kann es sein, daß sich jetzt, wo die Voll­ziehung der gegebenen Verfassung in Frage stehet, die Angriffe Derer, welche damit ihre auf Absolutismus oder Anarchie gerichteten Hoffnungen scheitern sehen, nochmals zu ernstem Kampfe steigern werden. *) Dann, deutsche Brüder, hat der nationale Verein sein Wort zu lösen, und in dem Kampfe, welchen der Reichstag als Vor­kämpfer für Deutschlands Einheit, Freiheit, Macht und Wohlfahrt zu bestehen haben wird, treu und kraftvoll mit zu kämpfen! dann muß das deutsche Volk der Erwartung durch die That entsprechen, welche in der Paulskirche durch das schöne Wort ausgesprochen wurde:Wir em­pfehlen die Verfassung vor Allem dem Volke, welches un­überwindlich ist, wenn ihm das Recht zur Seite steht!" Cassel, am 31. März 1849.

Der Vorort des nationalen Vereines für Deutschland.

Vereinsbericht.

In allen Seitens der Vereine neuerdings an den Vorort eingesandten Adressen spricht sich eine seltene Uebereinstimmung aus. Derselbe Grundgedanke ist es, dem man in allen diesen Beschlüssen begegnet: die Ver­werfung des Welcker'schen Antrages wird als eine Cala- mität betrachtet, welche das Vaterland an den äußersten Rand der Gefahr gebracht hat; die Ausschließung der nicht mehr theilnahmeberechtigten Oesterreicher aus der Paulskirche wird als dringende Pflicht von der National­versammlung gefordert, und die schleunigste Beendigung

*) Vergl. stenogr. Ber. Bd. V. S. 3586 folg.