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Vereinsbericht.
Die Wirksamkeit der Vereine in der letzter« Zeit bezieht sich naturgemäß fast ausschließlich auf den Welcker- schen Antrag und auf die Oberhauptsfrage. Während aus den öffentlichen Blättern vielfach die von Seiten der verbündeten Vereine gefaßten Beschlüsse, Adressen re. bekannt geworden sind, erheischen folgende, dem Vororte zugegangenen Mittheilungen eine nähere Anzeige.
Bereits am 13. d. M. erließ der vaterländische Verein zu Gießen eine Adresse an die Nationalversammlung, welche sich für die Genehmigung des Welcker'schen Antrages und für das preußische Erbkaiserthum aussprach; der Eentral-Ausschuß der deutschen Vereine am Mittel- rhein befürwortete diese Adresse bei allen verbundenen Vereinen.
Am 15. d. M. richtete der politische Verein zu Hanau eine ähnliche Adresse an die Nationalversammlung, aus welcher folgende Sätze herausgehoben werden mögen: „Blicken Sie hin auf Oesterreichs Cabinetspolitik, wie sie sich in seinen Noten und seiner octroyirten Verfassung immer deutlicher ausspricht; retten Sie das übrige Deutschland, und seien Sie versichert, daß nach dem ewigen Naturgesetze, daß Verwandtes Verwandtes anzieht, auch die Zeit kommen wird, in welcher die deutschen Brüder in Oesterreich , lösend ihre unnatürliche Verkettung an fremde Nationalitäten, zu uns zurückkehren. Sorgen Sie, daß die Zurückkehrenden dann noch ein Deutschland finden, an das sie sich anschließen können."
Der Volksverein der Aemter Frankenau und Gemünden richtete die Aufforderung, für den Welcker'fchen Antrag zu stimmen, an den Klubb Westendhall, als Erwiderung auf dessen übersandte Berichte, und speciell an den Abgeordneten seines Wahlbezirks, Hildebrand aus Marburg, denselben, der das tragikomische Schicksal erlebte, sein trotzdem eigensinnig festgehaltenes Amendement mit 487 gegen 6 Stimmen verworfen zu sehen! Pfui über solche Staatsmänner! —
Der Volksverein zu R ei ch e n sa ch sen erklärte seinen Anschluß an die in der letzten Nummer mitgetheilten Beschlüsse des hiesigen Bürgervereins; der Volksverein zu Schmalkalden sortierte durch Schreiben vom 19. d. M. (eingegangen am Listen) den Vorort auf, eine dem Welcker'schen Anträge beistimmende Adresse an die Nationalversammlung zu erlassen. Wir dürfen hoffen, daß beide Vereine sich bei der Eile der Sache auch direct an Letztere gewendet hatten.
Während all' diese Bestrebungen jetzt mindestens noch hinsichtlich der Oberhaupts frage von praktischem Interesse sind, ist es gerade diese Frage, welche in der Adresse des politischen Vereines zu Schlüchtern, nach kräftigen Verwahrungen gegen die schmachvollen Anerbietungen Oesterreichs, und ernster Mahnung zu raschem, entschiedenem Vorschreiten, folgendergestalt näher besprochen wird: „Die Hoffnungen und Bestrebungen der Feinde der deutschen Einheit, daß der Bundesstaat vereitelt werde, müssen zu Schanden werden! Dieses feierliche Wort unserer Reichsminister muß zur Wahrheit werden, oder — uns bleibt mit zerknirschtem Herzen nur das letzte Bekenntniß: es ist keine Ehre, ein Deutscher zu sein! — Hohe Nationalversammlung! jetzt, wo es gilt, zu stehen oder zu fallen, wo es sich handelt um Ehre oder Schande, da haben Sie im bloßen Rückblick auf die Nation das große Werk der Verfassung — — seinem Ende zuzuführen. Mit den Grundrechten haben Sie die Grundlage zur innern Einheit gegeben; jetzt gilt es die äußere mit der Macht dazu zu schaffen. Hierzu erkennen wir in einem mächtigen, erblichen Oberhaupte zur Zeit noch das geeignetste Mittel. Der deutsche Bundesstaat muß jetzt geschaffen werden! — — Darum haben Sie keine Gefahr zu scheuen. Wir halten zwar Bürgerkrieg und Revolution für ein großes Unglück, für ein noch größeres aber die Schande. Darum lieber Alles verloren, nur die deutsche Ehre nicht!" —
Die neue Hessische Zeitung, hcrausgegebcn von Fr. Oetker, redigirt von demselben und von Dr. A. Pfaff, beginnt mit dem 1. April 1849 ihr zweites Fahr und hat sich während der kurzen Zeit ihres Bestehens einen sehr zahlreichen Leserkreis erworben. Sic liefert außer Mittheilungen und Erörterungen aller wichtigen Tagesereignisse vornehmlich ausführliche Berichte über die Bcrhandlungen der Reichsversammlung zu Frankfurt und des Landtags zu Berlin, sowie über die Thätigkeit der hiesigen Ständeversammluug, wobei die wichtigeren Gesetzentwürfe zeitig vor der Berathung und zwar ausführlich mitgetheilt werden. Außerdem finden kurze Aufsätze, Anfragen, Rügen und Wünsche in Betreff aller Landes- und Gemeinde-Angelegenheiten von allgemeinerem Interesse, soweit cs der Raum gestattet, Berücksichtigung. Durch die Herstellung einer elektromagnetischen Tclegraphcnlinie zwischen Frankfurt und Berlin über Cassel ist das Blatt in den Stand gesetzt, täglich über die wichtigsten Borgänge an beiden Orten sofort Nachricht zu geben.
Die Zeitung erscheint, mit Ausnahme der Sonntage und Sonnabende, täglich zwei Mal, Sonntags mit einem belletristisch-politischen Unterhaltungsblatte Die Morgenausgabe wird um V» 11, die Abendausgabe um 5 Uhr expedirt.
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Da der Leserkreis des Blattes fortwährend zunimmt (in Cassel allein werden über 300 Exemplare abgcsctzt). so eignet sich dasselbe auch besonders zu Bekanntmachungen aller Art. Die Einrückungs- gcbühr beträgt nur 1 Sgr. für die gespaltene Zeile in Petitschrift oder deren Raum.
Cassel, im März 1849.
Die Expedition der Neuen Hessischen Zeitung.
Herausgegeben, verlegt und gedruckt von Heinrich Hotop in Cassel.