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nach Verwerfung des We lcke r'schen Antrages der schmach­volle Versuch gemacht, durch Zurückziehung dieses Unter- antrages, der also nur als Blitzableiter, nicht als ehr­liche Concession hingestellt war, auch den Gewinn dieser Beschleunigung weg zu escamotiren. Allein der Antrag wurde von anderer Seite wieder ausgenommen, und, obgleich nun die Linke nicht an stand, dagegen zu stimmen, angenommen. So hat also Wel­ckers muthiger Antrag mindestens diesen indirecten Vor­theil gebracht, der, wenn er glücklich benutzt mut), im­merhin des Kampfes werth ist (siehe Nr. 12 S. 50 d. Bl.). Eine zweite Lesung mit Discussion hätte zweifellos das Verfassungswerk nicht binnen der vom Schicksal bestimmten Frist abzuschließen vermocht. Schon heute hat diese beschleunigte zweite Lesung begonnen. Hoffen wir, daß nunmehr, nachdem der Welckersche An­trag als ein theilweis glücklich beendigtes Intermezzo sich darstellt, die im Wcidcnbusche zusammengetretene Fraction unwandelbar fest Zusammenhalten möge. Sie hat jetzt ihre ursprünglich festgestellte Aufgabe zu losen. Aber wie wie­derholen es: diese Losung scheint kaum möglich, falls nicht mindestens vor Berathung des letzten Abschnittes vom „Reichsoberhaupte" der Austritt der österreichischen Ab­geordneten auf dem einen oder dem anderen Wege erfol­gen sollte. Würde unter deren Mitwirkung das Verfas­sungswerk formell zu Ende gebracht, so würde dies jetzt doch keinenfalls zum wirklichen Eintritt Oesterreichs in den Bundesstaat führen; sollte ein solcher Eintritt aber doch scheinbar erfolgen, so würde damit entweder der neue Bundesstaat überhaupt in der Geburt getvdtct, oder günstigsten Falles eine baldige, doppelt schmerzliche, Aus­scheidung Oesterreichs nöthig gemacht, — dagegen, wenn sich jetzt der deutsche Bundesstaat frisch und lebenskräftig ohne Oesterreich natui gemäß constituirt, gerade in dieser Trennung der erste Schritt zum Wiedersehen liegen wurde.

Cassel, am 23. März 1849.

r — r.

Rundschreiben des Vorortes an sämmtliche ver- bundenen Vereine.

Der hiesige Bürgerverein hat in ferner gestrigen Gene­ralversammlung die nachstehend mitgetheilte Adresse an die Nationalversemmlung wegen Ausschließung der österreichi­schen Abgeordneten beschlossen und solche uns mit dem dringenden Ersuchen übersandt, nicht nur, wie hiermit ge­schieht, sämmtliche verbundenen Vereine zu schleunigen ähnlichen Kundgebungen einzuladen, sondern auch unserer­seits Namens des Gesammtvereines unverzüglich an die Nationalversammlung eine Ansprache in gleichem Sinne zu

richten. Da sich die Beurtheilung dieser Frage aus den­jenigen Ansichten über die zukünftige Gestaltung Deutsch­lands als eines Bundesstaates mit einheitlichem Oberhaupte von selbst ergiebt, welche schon früher und fortwährend von fast allen verbündeten Vereinen ausdrücklich aufgestellt und vertheidigt worden sind, — da überdies schon vor den letzten entscheidenden Ereignissen eine Mehrzahl der letztern, insbesondere der Centralausschuß der deutschen Vereine am Mittelrhein zu Gießen, der vaterländische Verein zu Braunschweig, der Vürgervercin zu Alten­burg, sowie der Volksverein zu Melsungen und der Hauptvercin der Aemter Fra n ken a u und Gemünden, das Ausscheiden der österreichischen Abgeordneten ver­langte *): so fanden wir um so weniger ein Bedenken, diesem Ersuchen durch die weiter mitgetheilte Adresse zu entsprechen, als bei der außerordentlichen Lage der Sache nur ein sofortiges entschiedenes Handeln feuchten kann, und wir an dem Einverständnisse unserer werthen Bundes­genossen nicht zweifeln können.

Das Vaterland ist in Gefahr! Das bedenkt und da­nach handelt! —

Cassel, den 25. März 1849.

Der Vorort des nationalen Vereines für D eut sch land.

Adresse deS hiesigen Bürgervereines.

Hohe deutsche Nationalversammlung!

Die am 21. d. M. in der deutschen Nationalversamm­lung stattgefundene Abstimmung hat die Hoffnungen des deutschen Vaterlandes, welches nun seit zehn Monaten mit gesteigerter Spannung seine Wiedergeburt von Frank­furt her erwartete, mit einem Schlage gelähmt, vielleicht ge- tödtet. — —

Vergebens waren, wie es scheint, für das deutsche Volk die Mahnungen der Geschichte, vergebens die Er­fahrungen daheim und in der Fremde, vergebens der Hohn der Feinde und der drängende Zuruf seiner Freunde.

Verloren scheint das Vaterland, wenn auch Diejenigen, die es retten sollen, den rettenden Entschluß verschmähen. Für verloren würden wir es halten, nnd das Vaterland könnte seine Hoffnungen begraben, wenn wir den Beschluß vom 2tsten und die Majorität von 283 gegen 252 für einen Beschluß derjenigen deutschen Volksvertreter hal­ten dürften, welche den deutschen Bundesstaat zu schaffen berufen und berechtigt sind.

*) Vcrgl. S. 17, 28, 44, 45, 50 d. Bl.