Blätter
des nationalen VereiRLs für DeNtschläRd,
veröffentlicht
durch den Vorort dieses Vereines.
«sr. 13. Cassel, den 26. März. 184«.
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Die Verwerfung des Welcker'schen Antrages.
Das Unglaubliche ist geschehen. Wir sind durch die Verwerfung des Welcker'schen Antrages um eine große Hoffnung ärmer, nm eine schmerzliche Erfahrung reicher geworden. Die Zukunft unseres herrlichen Vaterlandes aber, das ganze Gelingen des Verfassungswerkes, ist nunmehr, das kann sich Niemand verhehlen, auf die äußerste Spitze der Gefahr getrieben, — der Gefahr, Hinabzu- stürzen in den Abgrund, in welchem es nur Verwirrung, nur Anarchie, nur Knechtung, in welchem es kein deutsches Volk, keine deutsche Freiheit, kein deutsches Recht giebt. Wohl sind wir Alle entschuldigt, welche, entfernt von dem Orte der Entscheidung, dieser mit froher Zuversicht entgegen gesehen hatten; waren doch durch das Ergebniß dieser Abstimmung selbst die Mitglieder der Nationalversammlung, und zwar in beiden Lagern, gleich sehr überrascht! — Nicht das war es, was die Einen, wie die Andern, nach den großartigen parlamentarischen Kämpfen von -fast vier Tagen hatten erwarten können; aber so siegreich auch die Vertheidiger des Welcker'schen Antrages in der Debatte vor dem Richterstuhle des Verstands, wie des Vaterlandsgesühles, dastehen, im Resultate sind sie die Besiegten! — Um die Möglichkeit dieses Resultates zu begreifen, wollen wir, da es uns hier nicht vergönnt sein kann, auf das Detail der Gründe und auf die Schilderung des ganzen Herganges einzugehen, uns die Hauptgruppen Derjenigen vergegenwärtigen, durch welche jene Majorität von 283 verneinenden Stimmen gebildet wird.
An der Abstimmung nahmen zunächst Theil 106 Oester
reicher! — Nur Einer derselben hat für den Welcker- schen Antrag gestimmt; die Stimmen von 105 Oesterreichern waren es, welche den Ausschlag gaben. Wie aber steht es mit der Stimmberechtigung der Oesterreicher? — Wir haben schon in der letzten Nummer unserer Blätter unsere Ansicht dahin ausgesprochen, daß, seit und so lange als die neue Verfassung des österreichischen Kaiserstaates in Kraft ist, kein Oesterreicher als deutscher Nationalvertreter in der Paulskirche sitzen kann. Wir lebten damals noch der zuversichtlichen Erwartung, daß die österreichischen Abgeordneten dieses selbst erkennen und demgemäß handeln würden. Unsere Zuversicht hat uns getäuscht. Nur vier von den 110 österreichischen Abgeordneten haben das gethan, was uns als unabweisliches Gebot der Ehre und der Pflicht erschien, und so mußte hinsichtlich der übrigen das in Erfüllung gehen, was Welcker bei Eingang der Debatte für den Fall des unverantwortlichen Mißbrauchs eines scheinbaren Stimmrechtes, denselben voraus erklärte: „Das sage ich Ihnen, Sie knüpfen damit kein Band zwischen Deutschland und Oesterreich. Beim ewigen Gott! Sie knüpfen kein Band zwischen diesen Ländern! — Das innerste Gefühl der Entrüstung über diese Missethat wird in Deutschland herrschen und regieren!" — Denkwürdig bleibt es, wie e i n österreichischer Abgeordneter, v. Würth, mannhaft und ehrlich seinen Austritt aus der Nationalversammlung selbst motivirte, indem er folgendes Schreiben an den Präsidenten richtete: „Da ich an der Annahme der neuen Reichsverfaffung für Oesterreich von Seiten des österreichischen Volkes nicht zweifeln kann, so halte ich es mit meiner politischen und moralischen Ehre für unvereinbar, an der weiteren Berathung der deutschen