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Beilage zur Nr. 12 -er Blätter des nationalen Vereines für Deutschland.

Vortrag über die sociale Republik, gehalten im neuen vaterländischen Verein zu Mannheim.

Wenn es eine Hauptaufgabe der vaterländischen Ver­eine sein muß, vaterländische Gesinnungen zu wecken und zu erhalten, so werden sie auch das ihrige beantragen suchen, um der neuen Sprachverwirrung zu begegnen, welche den Ausbau des deutschen Einheitswerkes am mei­sten bedroht. Zu den vielen unklaren Begriffen, welche sich gleich giftigen Dünsten über unser Volk verbreitet haben, um seine schönsten Hoffnungen in der Blüthe zu verderben, gehört auch der vielgehörte Name: Sociale Republik. Die Lobredner derselben behaupten, alle Regierungsformen seien schon versucht und ungenügend befunden worden; der Gedanke einer socialen Republik sei neu und deshalb sei ihre Zeit gekommen.

Allein diese Behauptung entbehrt alles Grundes, und wenn überhaupt jener Spruch: Nichts Neues unter der Sonne! eine Wahrheit hat, so gilt er insbesondere von der socialen Republik. Die Welt kennt die Gedanken derselben, seit sie besteht, und im Morgenlande wie im Abendlande, im Alterthum wie in den neueren Zeiten, sind Versuche gemacht worden, dieselben zu verwirklichen. Es wird genügen, nur einige Beispiele anzuführen. Als Rom zur weltherrscheuden Stadt geworden war, als alle Schätze der damals bekannten Länder in diesem Mittelpunkte des allgewaltigen Reiches zusammenftrömten; da zeigten sich auch bald die Erscheinungen, welche im Gefolge mensch­licher Größe und Macht zu sein pflegen: auf der einen Seite Ueppigkeit, Pracht, Verschwendung, auf der andern Armuth, Entbehrung, Mangel. Da fanden sich auch bald ehrgeizige Menschen, welche die Allen sichtbaren Mißstände benutzten, um durch eitle Vorspiegelungen die leicht ver­führbare Menge zu gewinnen und mit ihrer Hülfe den alten Staat zu zertrümmern. Ein solcher Mann war Eatilina, der Rom in einen Schutthaufen verwandeln wollte, um auf den rauchenden, mit dem Blute der edel­sten Bürger besteckten Trümmern seiner Vaterstadt seine Herrschaft zu gründen; und wenn man bei dem römischen Geschichtschreiber Sallustius seine Verschwörung liest, so glaubt man in unsere Tage versetzt zu sein. Selbst tief verschuldet, lockte er besonders die verschuldeten, sittlich verworfensten Jünglinge der vornehmeren Classen, den besitzlosen Pöbel der Hauptstadt, ihren Herrn entlaufene Sklaven und Raubgesindel jeder Art vom Lande an sich, stachelte dnrch wuthschnaubende Reden ihren Neid gegen

alle Besitzenden zu blutgierigem Haß auf, und versprach ihnen dann, um sie zum entschlossenen Handeln anzufeuern, Vernichtung der Schuldbücher, Aechtung der Reichen, Plünderung ihrer Schätze, Würden und Aemter jeder Art. Wer erkennt hier nicht die rothen Republikaner unserer Tage ?

Doch auch die vaterländische Geschichte zeigt uns, daß gerade in den Gegenden, wo auch jetzt wieder die socia­listischen und kommunistischen Gelüste am offensten hervor­traten, im Schwarzwalde, am Bodensee, in Franken und besonders in Thüringen, die Gedanken der socialen Repu­blik schon vor Jahrhunderten da gewesen sind. In den Zeiten des deutschen Bauernkrieges, als Carlstadt und der Schwärmer Thomas Münzer nach dem Ausdrucke Luthers die Freiheit auf's Fleisch zogeu", da ging durch Thürin­gen der Ruf: alle Christen müßten gleich sein und die Fürsten müßten verjagt oder todtgeschlagen werden. In der Gegend von Erfurt trieb ein gewisser Nicol mit einer räuberischen Rotte sein Wesen. Dieser fragte jeden vor­überziehenden Wanderer: Ist der Rock dein? Antwortete der Unglückliche mit ja, so wurde er zu Boden geschlagen. Am kühnsten aber trat die sociale Republik bei den Wie­dertäufern in Münster auf, wo Knipperdolling und der Fanatiker Johann Bockelson von Leyden jeden Widerstand durch das blutigste Schreckensregiment niederschmetterten. Mit gemeinsamen Mahlzeiten an öffentlichen Tafeln fing man an, mit Gütervertheilung und Weibergemeinschaft hörte man auf. Wehe dem Gatten, der nicht von seinem Weibe lassen wollte! Sein Haupt fiel unter dem Henker­beile.

Es ist also nicht wahr, daß die Gedanken der socialen Republik neu sind; aber das ist leider wahr, daß dieselben noch nie in dieser Ausdehnung, in dieser frechen Nacktheit und mit dieser Verhöhnung aller menschlichen und göttli­chen Gesetze an das Tageslicht hervortraten , als es jetzt geschieht. Die sociale Republik ist nicht mehr ein schreck­liches Gespenst, welches nur die Aengstlichen in ihren Träumen quält, sie ist in gräßlicher Wirklichkeit im Juni des vorigen Jahres auf den Straßen und Plätzen von Paris umhergewandert, und, obgleich damals niedergeworfen, hebt sie schon wieder keck ihr Haupt und möchte auch durch die gesegneten Gauen unseres schonen Vaterlandes ziehen, um mit ihren ehernen Füßen Alles niederzutreten. In Frankreich, wo ihr Herold Proudhon mit dem Satze her­vortrat: Das Eigenthum ist Diebstahl! hat man die so­ciale Republik von Angesicht zu Angesicht kennen lernen, von dorther haben sich warnende Stimmen vernehmen