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Schleswigs fühlte. Deshalb pflegten denn auch diese den propagandistischen Bestrebungen der Dänen in neuerer Zeit entgegenzutreten mit den Worten: „Wir sprechen wohl dänisch, wir wollen aber deutsch bleiben !" — Deutschland aber hat außer den Rechtsgründen auch noch andere Gründe von der größten nationalen Wichtigkeit, diese grundgesetzlich zu Recht bestehende Staatseinheit Holsteins mit Schleswig unter einem Fürsten des alten deutschen oldenburgischen Hauses mit aller Macht aufrecht zu erhalten.. Denn nicht nur war einst das ganze jetzige Herzogthum Schleswig, vor der Auswanderung der Angelsachsen nach England, von deutschen Stämmen bewohnt, sondern bis auf den heutigen Tag wird etwa die Hälfte des Landes von uralten deutschen Stämmen, namentlich Friesen, Sachsen und Angeln besessen. Dazu kommt, daß auch die nördlichen Theile des Landes durch städtische Ansiedelungen, durch deutsche Kirchen- und Schulsprache, durch deutsche Geistesbildung, vorzüglich seit der Reformation und seit der Stiftung der Universität Kiel, dem nationalen Leben Deutschlands immer inniger befreundet und einverleibt wurden, so daß, wie überhaupt die nördlichen Gegenden, so insbesondere auch diese sich immer entschiedener dem deutschen Süden zuwandten und alle ediern Keime nur unter seinem Einstuß zur Blüthe gelangten. So ist ganz Schleswig, mit Holstein seit Jahrhunderten verbunden, auch in nationaler Beziehung in seiner Gesammtheit ein deutsches Land geworden. UnD daß seine Sympathien für Deutschland hier seit Jahren ähnliche Sympathien erweckt haben, — nun davon zeugt ja schon das deutsche Volkslied: „Schleswig-Holstein, Meer- umschlungen!" — O! mochte es, wie von seinen beiden teutschen Meeren, so auch von den deutschen Bruderarmen treu und fest umschlungen werden, daß keine Gewalt der Erde es aus dieser Umschlingung jemals wieder zu lösen vermöchte! —
Und wahrlich, es ist ein Volk und Land, welches wohl festgehalten zu werden verdient. Seht Euch nur um, Ihr deutschen Krieger, an seinem reizenden Ostsee- strande mit seinen herrlichen Buchten und Häfen, an seiner reichen Westküste mit ihren gesegneten Auen und Triften, und Ihr werdet wohl einsehen, um welches wichtige Besitzthum Deutschlands es sich handelt! Lernt dieses biedere freie Volk in seinen zierlichen Städten, auf seinen wohlhabenden Gehöften, näher kennen, bemerkt seine Haltung in diesen schweren Zeiten, seinen unübertroffenen Gemeinsinn, sein treues Festhalten an dem erkannten Recht — und Ihr werdet mit Freuden für das gute Recht dieses Brudervolkes Blut und Leben lassen!
Ueberseht auch nicht, welchen Antheil an der tüchtigen Entfaltung des deutschen Gesammtlebens die Schleswiger auch noch in der jüngsten Zeit genommen haben, wie Schleswiger es sind, welche zu den trefflichsten Vertretern deutscher Rechts- und Geschichtsstudien auf unsern deutschen Universitäten allgemein gezählt werden, und welche auch in Frankfurt ihre deutsche Gesinnung unk Tüchtigkeit treulichst bewährt haben, unter welchen Männern wir hier nur an Veseler in Greifswalde, Michelsen in Jena, Waitz in Göttingen erinnern wollen.
Nun, die deutsche Schweiz wollte einst nicht länger zu Deutschland gehören, und hat sich, wenn auch eben nicht zu ihrem eigenen Vortheil, noch immer nicht zu Deutschland wieder zurückgefunden; Elsaß, von Frankreich gefangen und bethort, hat sein Herz von Deutschland abgewandt; in Belgien beginnt erst der flammländische Sinn seiner innern Verwandtschaft mit Deutschland sich wieder bewußt zu werken; die Niederlande sind noch immer, in ihre Handelsinteressen vertieft, den Mahnungen der deutschen Stammesangehoriqkeit verschlossen; Deutsch-Oesterreich sieht sich gewaltsam einem Riesenleibe verbunden, und muß seine deutschen Sympathien in seiner Brust verschließen, bis früher oder später die Stunde kommt, wo jener Leib auseinanderfällt, und es in die ihm offen gehaltenen deutschen Bruderarme flüchten kann; von den russischen Ostseeprovinzen endlich müssen wir schweigen, weil wir nicht wissen, wozu Gott jenes halb asiatische Reich ausersehen hat. Aber von Schleswig wissen wir, daß es keine Provinz eines fremden Staates ist, daß sein ganzer Sinn Deutschland freundlich zugewankt ist, kaß es, mit Holstein grunkgesetzlich auf ewige Zeiten verbunden, ein deutsches Land sein und bleiben will immerdar. Und so fragen wir Schleswiger Dich denn, Du deutsches Volk, ob Du uns haben und festkalten willst wie der Bräutigam die Braut, ob Du fest bei uns stehen willst gegen die Feinde unserer Laudesfreihei- ten mit Gut und Blut, ob Du weder durch List, noch durch Gewalt Dich von uns abspäustig machen lassen willst? Beantwortest Du kiese Fragen, Deine Ehre vor Gott und Menschen wohl erwägend, mit einem festen und freudigen Ja, so zähle auch auf unsere treue Hingabe, so sei dessen versichert, daß auch die Schleswiger nie aufho- reu werden, als Schleswig-Holsteiner der deutschen Nation und ihrer Wohlfahrt Gut und Blut zu opfern, von ihr nicht zu lassen in guten und trüben Tagen, mit ihr auch in diesem bevorstehenden Kampfe zu siegen oder zu sterben!
Deutsche Krieger, die Ihr in den Kampf nach Schleswig zieht, den Anfang des Kampfes wißt Ihr, das Enke nicht. Mag es aber kommen wie es will: ist Gott und eine gerechte Sache für Euch, wer will wider Euch sein! Uni) nun zum Schluß noch ein ermuthigendes Schleswig- sches Sprichwort von einem uralten deutschen Helden, der einst siegreich tief in die Nordlande emvrang: „Grad dor, fegt Klas Aoensteckcn!" — S.
Herausgegeben, verlegt und gedruckt von Heinrich Hotop in Cassel.
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