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darüber an den Tag zu legen, daß uns die Gelegenheit geworden ist, mit einem so achtbaren Vereine, dessen Tendenzen mit den unseren Hand in Hand gehen, in Korrespondenz zu treten.

Die den Hauptgegenstand Ihrer Mittheilung aus­machende deutsche Zollfrage wird hier von der Mehrzahl der Betheiligten allerdings etwas anders angesehen, als sie, bei wesentlichen Verschiedenheiten der lokalen Verhält­nisse, in Süddeutschland betrachtet werden muß. Wir theilen indeß im vollen Maaße die Ueberzeugung, daß der politischen Einheit Deutschlands die materielle zur sicheren Grundlage dienen muß, daß die Freiheit und der Wohlstand im Innern wie die Macht nach Außen unserem theuern Vaterlande nur gesichert werden können, wenn dem freien Verkehre der deutschen Bruderstämme keine Zollschranken mehr hemmend entgegenstehen, wenn Deutsch­land auch in handelspolitischer Hinsicht dem Auslande gegenüber ein einiges starkes Ganzes bildet. Wird aber dieser Zweck von allen Seiten redlich angestrebt, so müssen sich auch die Mittel zu dessen Verwirklichung finden. Mögen auch die Ansichten und Wünsche über diese Mittel gegenwärtig noch so verschieden sein, wir geben uns doch der bestimmten Hoffnung hin, daß die Interessen des ge- sammten deutschen Vaterlandes in billiger Weise bei einer Vereinbarung eines allgemeinen Zolltarifs sich werden ver­einigen lassen, und werden auch wir gern dazu beitragen, alle Hindernisse zu beseitigen, welche einer vernünftigen und gerechten Lösung der Zollfrage entgegenstehen.

Um die nothwendige Verständigung zu erreichen, wer­den die eigenthümlichen Verhältnisse der einzelnen Staaten, und die seither bei Anwendung der verschiedenen Zoll­systeme in Deutschland gemachten Erfahrungen, scharf ins Auge gefaßt werden müssen. Darf und wird auch kein Einzelstaat vor Opfern, welche einem einheitlichen Zoll­systeme Deutschlands gebracht werden müssen, zurückschrecken, so kann doch die materielle Einigung Deutschlands dem allgemeinen Wohle nur dann ersprießlich und segenbringend sein, wenn sie den einzelnen Staaten nicht zu bedeutende Nachtheile auferlegt.

Die im Süden Deutschlands, seit dem im Jahre 1835 erfolgten Anschluß an den Zollverein, gemachten Erfah­rungen, können für uns bei ganz andern Verhältnissen nicht maßgebend sein. Unser Norden betreibt bekanntlich vorzugsweise Ackerbau und Viehzucht, Handel und Schiff­fahrt, und hat nur wenige Fabriken. Es würde eine Illusion sein, wenn man sich gleiche Vortheile von einem Anschlusse an den Zollverein versprechen wollte, wie sie die süddeutschen Staaten und vornehmlich das Großherzog- thum Baden dadurch erlangt haben mögen. Wie dieses früher die nördlichen Staaten unseres deutschen Vaterlan­

des sehr richtig erkannt, und deshalb bisher den Auffor­derungen zum Anschluß an den Zollverein kein williges Ohr geliehen haben, so bestätigen auch die Erfahrungen in den uns benachbarten kleinen Staaten, welche dem Zollvereine angehoren, die Ansicht, daß der Tarif des Zollvereins den Interessen des Nordens nicht entspricht. Die Zollregister des Königreichs Hannover geben den authentischen Nachweis, daß bei Annahme des Steuer­systems des Zollvereins unter den gegenwärtigen Consum- tions-Verhältnissen ein Anschluß an den Zollverein, für Hannover einen Ausfall von mindestens 800,000 Thaler Courant herbeiführen würde. Es ist statistisch erwiesen, daß der Norden von denjenigen steuerbaren Artikeln, welche für die finanziellen Ergebnisse des Zollsystems die wichtig­sten sind, ungleich mehr consumirt, wie der Süden. Bei diesem stärkeren Verbrauche der Colonialwaaren rc. muß der Norden bei einem gemeinsamen Zollverbande unter allen Umständen im Nachtheile bleiben, und um so mehr stellt es sich daher als eine Forderung der Billigkeit her­aus , daß bei der Feststellung des Tarifs die Wunsche des Nordens besonders berücksichtigt werden. Auch Preußen ist durch seine Consumtions-Verhältnisse bekanntermaßen bei seinem Zollverbande mit den südlichen Staaten sehr im Nachtheile, indem die Einwohner Preußens mehr, die Einwohner der süddeutschen Staaten aber zum Theil er­heblich weniger, zu der Gejammt-Einnahme an Zöllen bei­tragen , als den betreffenden Ataaten aus der Zollvereins- kaffe bei der Vertheilung nach der Seelenzahl zu Gute kommt. Nur politische Rücksichten und Preußens ausge­dehntes Fabrikwesen können diesen Staat veranlaßt haben, Opfer zu übernehmen, die indeß auch von einzelnen Pro­vinzen, namentlich den Ostfeegegenden, schon seit Jahren schmerzlich empfunden werden.

(Schluß folgt.)

Die Organe zur Verwirklichung einer deutschen Reichsregiernng.

Von Hofgerichtsrath Dr. Kraft zu Gießen.

(Fortsetzung und Schluß.)

Nur jene Scheidung der Reichs- und Landesregierungs­rechte entspricht auch der rechtlichen Natur eines Bun­desstaats. Für das, was gemeinsame Angelegenheit des Ganzen ist, bedarf es der Institute und Einrichtungen eines Gesammtstaates, um diesen Theil der Staatsgewalt als eine Einheit erscheinen zu lassen. Zu den wesent­lichen Einrichtungen einer Gesamnit- Staatsregierung ge-