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Vaterland vor seinem Untergange erretten und zu dem heißersehnten Ziele führen kann. Wir vertrauen, daß gerade dieser Muth die Feinde unserer Freiheiten und unserer Einheit zur Besinnung zurückführen und Alles noch zum Guten lenken werde. — Wenn wir aber dennoch um dieses Vertrauen betrogen werden sollten, so bleibt uns noch ein anderes Vertrauen; cs ist das Vertrauen zu unserer gerechten Sache, das Vertrauen zu der unwiderstehlichen Macht des gemeinsamen Wollens einer Nation von 45 Millionen Menschen. — Der bloße Ausdruck dieses gemeinsamen Wollens hat einmal schon die Throne erschüttert, und sollte er noch deutlicher zur Geltung kommen müssen, er würde wahrlich sie nicht befestigen. — Mögen sich die Regierungen nicht täuschen! Es ist ein Anderes, die Anarchie zu unterdrücken, von welcher sich das Volk selbst mit Abscheu abwendet, und ist wieder ein Anderes, durch bösen Willen und Ränke aller Art die Ausführung der Beschlüsse hoher Nationalversammlung hintertreiben, und auf diese Weise die Nation abermals um die Früchte ihrer Erhebung bringen zu wollen, damit sie neuerdings das Spielzeug der Fürsten werde!--- Aus Liebe für das Vaterland sprechen wir dies laut aus, damit es die Fürsten Horen und beachten mögen, und wir vertrauen, diese Erklärung wird tausendfache Nachahmung finden. — Auf hohe Nationalversammlung aber vertrauen wir, daß sie zum Volke stehe, damit das Volk zu ihr stehe, zum Zwecke gemeinschaftlicher Bekämpfung aller Feinde unseres Vaterlandes und seiner Freiheit.
Mannheim, den 10. Januar 1849.
Der Neue vaterländische Verein.
Die deutsche Oberhauptsfrage in Kurhessen.
Sowohl die Regierung als auch die gegenwärtige Ständeversammlung Kurhcsscns haben bei verschiedenen Gelegenheiten ihre deutsch-einheitliche Gesinnung in sehr erfreulicher Weise an den Tag gelegt. Während die Regierung bereits in der, beim Zusammentreten der Stände- Versammlung am 28. Nov. v. I. vom Vorstände des Ministeriums des Innern gehaltenen, Eröffnungsrede den Tag freudig begrüßt, wo das vollendete deutsche Verfassungswerk eine neue Garantie der kurhessischen verfassungsmäßigen Zustände gewähren und den heißen Wünschen nach Einheit des großen deutschen Vaterlandes Erfüllung bringen werde; erklärt die Stände-Versammlung in ihrer einstimmig angenommenen Antworts-Adreffe vom 5. December v. I., daß auch sie die heiße Sehnsucht nach der
Vollendung des deutschen Verfassungswerks theile, und sich der erklärten Bereitwilligkeit der Regierung freue, jede von dort zu erwartende Bestimmung sofort in Vollzug zu setzen.
Der getreuen Befolgung des obigen Programms Seitens der kurhessischen Regierung ist bereits in der 1. Nummer dieser Blätter Erwähnung geschehen; und es wäre zu wünschen, daß in einem jeden deutschen Einzelstaate von der Regierung auf eine, wegen der in Zeitungen gerüchtsweise angebeuteten Betheiligung Kurheffens an den sonderbündlerischen Bestrebungen eines süddeutschen Staats in der Stände-Versammlung erhobene, Interpellation mit derselben Unbefangenheit und Aufrichtigkeit die Erwiederung gegeben werden könnte: „daß der Regierung dahinzielende Anträge nicht einmal gemacht worden seien und daß man — das Vorhandensein jener angeblichen, einheitsfeindlichen Tendenzen vorausgesetzt — wegen der bekannten ächt deutschen Gesinnung der kurhessischen Regierung Anstand genommen haben werde, an sie derartige Vorschläge überhaupt gelangen zu lassen."
Nicht minder nahm die Stände-Versammlung darauf Bedacht, nach der Veröffentlichung der Erklärungen Badens und Hessen-Darmstadts wegen der Uebertragung der Reichsgewalt an die Krone Preußen, auf einen gleichen Ausspruch der diesseitigen Regierung hinzuwirken, indem sie einen, von Nebelthau am5.v. M. gestellten Antrag:
„Die Stände-Versammlung möge erklären, sie glaube „sich berufen und verpflichtet, ihre Ansicht dahin kund zu „geben, daß die erforderliche Würde und Macht der Reichs- „gewalt, auch die innere Wohlfahrt Deutschlands, nicht anders „gewahrt werden könne, als indem der König von Preußen „als Reichsoberhaupt alsbald an Deutschlands Spitze „trete",
mit 32 gegen 6 Stimmen annahm, und auf Vorschlag v. Sybels weiter beschloß, diese Erklärung der Regierung unter dem Ersuchen mitzutheilen, sich derselben anzuschließen und demgemäß weiter zn handeln.
Ein, von dem letztgenannten Abgeordneten bei dieser Gelegenheit gestellter, weiter gehender Antrag: zugleich die Unmöglichkeit der Aufnahme Oesterreichs in den engern deutschen Reichsverband auszusprechen und sich für die Erblichkeit der Würde des Reichsoberhauptes zu erklären, — wurde von dem Antragsteller vor der Abstimmung zurückgezogen, nachdem die äußerste Linke der Kammer, welche mit den obigen 6 Stimmen in der Minderheit blieb, gegen den Antrag Ncbclthau's vorzugsweise geltend gemacht hatte, daß durch die Uebertragung der obersten Reichsgewalt an die Krone Preußen, Oesterreich aus Deutschland hinausgewiesen und Deutschland somit durch sich selbst getheilt werde.