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Blätter

des UMtroRâLeU BererNes für DeNtfchlâmd,

veröffentlicht

durch den Vorort dieses Vereines.

JVre 3 II. 4. Cassel, den 12. Februar. L8-AA.

Diese Blätter erscheinen wöchentlich ein Mal, und werden Montag Abends einen halben Bogen stark, ausgegeben. Beilagen werden nach Bedürfniß beigefügt. Für das laufende Quartal werden die fehlenden Nummern für Januar durch Doppelnummern oder vermehrte Extra-Beilagen nachgeliefert. Der Abonnementspreis beträgt 7*/, Sgr. für das Quartal, wofür alle Fürstl. Thurn und Taxischen Post­ämter sowie alle Buchhandlungen ohne Preiserhöhung Bestellungen annehmcn. Anzeigen jeder Art werden die Petitzeile oder deren Naum mit 1 Sgr. berechnet.

Rundschreiben des Vorortes an sämmtliche ver­bundenen Vereine.

Durch die Zeitungsnachrichten über die in den Stände- kammern des Königreichs Sachsen jüngst vorgekommenen Verhandlungen über die deutsche Oberhauptsfrage fühlten wir uns verpflichtet, am 27. v. M. an den Ausschuß des deutschen Vereins zu Leipzig ein Schreiben zu richten, in welchem wir uns eine authentische Mittheilung über die eigentliche Sachlage undjene kaum glaublichen Vorgänge", sowie die Bezeichnung der unsererseits in dieser Angele­genheit etwa zu thuenden Schritte, erbaten.

In dem hierauf erfolgten Antwortsschreiben vom 3. d. M. giebt der gedachte Ausschuß, der übrigens der Publication der Grundrechte, den Zusicherungen der Re­gierung nach, in den nächsten Tagen entgegensieht, fol­gende Schilderung über die Zustände Sachsens und das Verhältniß der deutschen Vereine zu demselben:

Die entschieden particularistische Stellung, die unsere jetzige Volksvertretung eingenommen hat, wie wir tief be­dauern, im Bunde mit unserer Regierung, hat uns, die wir in Sachsen stets am bestimmtesten und kräftigsten der deut­schen Sache uns angenommen, mehrfach zu Erklärungen sowohl gegen die Regierung, als gegen die Stände selbst, veranlaßt. Wenn auch von vornherein für einen wirklichen Erfolg dieser Schritte Nichts zu hoffen war, erachteten wir es doch für eine Pflicht, dem übrigen Deutschland und dem Ausland gegenüber, zu zeigen, daß es noch eine Partei in Sachsen giebt mag es auch die Minderheit sein, die unerschütterlich an Deutschland hängt, und das Frankfurter Parlament als das Symbol der Einheit noch anerkennt und ehrt. Um so erfreuliche r ist es gewesen,

auch von anderer Seite her, vornehmlich von Ihnen, den Ausdruck derselben Empfindungen über die Schmach, die Sachsen auf sich geladen, zu vernehmen.

In unserer Ministerkrisis befanden wir uns in einer eigenthümlichen Stellung. Bei der festen Ueberzeugung, daß dieses Ministerium nur durch ein vollkommen reactio- näres und nicht deutscher gesinntes ersetzt werden würde, sahen wir uns genöthigt, so sehr wir dasselbe wegen sei­ner particularistischen Gesinnung stets bekämpft haben, uns für das Bleiben desselben zu verwenden. Dieser Zweck ist erreicht, wir werden aber nie aufhören, wo es gilt, für die deutsche Sache unser Wort einzulegen."

Zugleich wird eine Thätigkeit des nationalen Vereins im Ganzen bei dieser Gelegenheit als wünschenswerth be­zeichnet, dergestalt daßeine entschiedene Erklärung an die Centralgewalt" in Vorschlag gebracht wird.

Ueberzeugt, daß alle verbündeten Vereine gleichmäßig von dem traurigen Eindrücke jener beklagenswerthcn Ver­hältnisse und von dem Unwillen über die darin liegenden Angriffe gegen den hauptsächlichen Grundsatz unseres Pro­grammes durchdrungen sein, und sich durch diese, jeden deutschen Mann so nahe berührenden, Ereignisse um so lebendiger betroffen fühlen werden, als wir gerade im Königreiche Sachfen 44 verbündete Vereine zählen, glau­ben wir demnach die allgemeine Einladung anssprechen zu müssen, daß alle Vereine unverweilt ihre Ueberzeugungen über diese Angelegenheit der verfassunggebenden Reichs- verfammlüng unverholen vortragen und solche zu kräftiger Handhabung der ihr zustehenden Machtvollkommenheit auf­fordern, uns aber von den gefaßten Beschlüssen bald- thunlichst in Kenntniß setzen wollen.

Cassel, am 8. Februar 1849.