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In diesem -Si ^ sei nun der vorliegende Leitfaden aus- gearbeitet worden. Er unterscheide sich von den bisherigen Hülfs initteln also namentlich durch eine sehr beträchtliche 21n= zabl von Anmerkungen und gebe dem Verfasser die Hoff­nung, nicht blos einem individuellen Bedürfnisse dadurch entsprochen zu haben.

So der Verfasser.

Man sieht cs dem Herrn Vorredner an, daß er sein Buch nicht blos mit Redensarten a priori einleitet, son­dern daß er sich dabei auf Erfahrungen unv zwar in dop­pelter Richtung stützt; daß er aktiv und passiv zu seinen Aussprüchen vollkommen legitimirt ist. Er erklärt sich gegen das Lesen und Diktiren; und das mit Recht. Denn alle Vorleserei und aller Diktir- und Schmierbrauch ist ein so arger Unfug, daß man sich gar nicht hart genug dagegen auslassen kann. Hatte Referent nochmals zu studiren, er würde sicher dahin zu wirken suchen, daß jeder Professor unrettbar in Verruf käme, der sich unterfinge, jahraus jahrein dasselbe Heft in derselben, unerquicklichen Weise »vor- reiten« zu wollen. Man denke sich nur den Mißbrauch in seiner ganzen Größe! Man denke sich einen solchen Diktir- Priester auf dem hochmüthigen Dreifüße und dabei das Au­ditorium niedrig, dumpf, düster, wie sie gewöhnlich sind, und vollgepfropft von keuchenden, schreibbeflissenen Zuhörern! Der beginnt jede Stunde: »Hochgeöhrte Herrn!« Hier­auf schließt er wohlbedächtig seinen freien Vortrag ab, räus­pert sich, zieht sein Heft hervor und fängt an zu diktiren, und diktirt die ganze Stunde und die ganze Woche und das ganze Semester, gerade wie er vor zehn Jahren die ganze Stunde und die ganze Woche und das ganze Semester auch schon diktirt hat, abgesehen etwa von einigen neuentdccktcn Cita­ten und Ansichten. Und diese, nämlich nicht die Citate und Ansichten, sondern die Zuhörer

Die lassen sich's nicht zwei Mal sagen, Die denken sich, wie viel es nützt; *)

Denn was man schwarz auf weiß besitzt, Kann man getrost nach Hause tragen!

D. h.si'e denken eigentlich gar nicht, sondern sie schreiben nur, schreiben, .weil's einm also Mode ist, weil sie für ihren blanken Louis doch Etwas haben wollen; schreiben »barbarem ju- dicat« statt par parem judicat, »restitutio in den Hin­

*) Andere wollen hierkostet" lesen, allein es würde dann der Reim fehlen und die Lesart iff mithin um so ungereimter, als nicht ein­mal die Florentina dafür angeführt werden kann.

tergrund« statt restitutio in integrum, und was derc chen anekdotenmäßigen Denkpröbchcn mehr sind,!

Wahrlich, man würde es nicht glauben, wenn ma nicht selbst erlebt hätte. Wie man's nur ausgchalten I dieses geistlose Nagen und Zerren, dieses tägliche Auf-Latt Sitzen für das sündhafte Unterfangen, dereinst ein gelehr oder gelernter Hungerleider, ein professionirter Land- r Leute-Verderber, zu werden; dieses Krümmen und Drc gen in den lüft' und lichllecren Räumen?!

Nun dient' es uns zur Ansicht doch

Von Marterbank und Hundeloch!

Aber, wird man sagen, es ist doch besser, etwas Gru vorzulesen oder zu diktiren, als etwas Schlechtes frei v> Silvagen oder auch, als etwas Gutes schlecht vorzutrage lieber scheel als blind! Das ist freilich nicht ganz unrü tig: non omnia possumus omnes! Aber, tu lieber Go> da wollte ich ja lieber alles Mögliche sein, nur kein akak mischer Lehrer, wenn ich nicht im Stande wäre, ein Str meiner Wissenschaft so vorzutragen, daß selbst der Jndole teste eine Stunde lang an den Gegenstand oder an mei Worte gebannt würde. Todt würde ich mich schämen, wer ich mich Professor der Eloquenz heißen ließe und keine Re! halten könnte, außer in beiden Händen. Bringt Lebe hinein! Lesen thut's freilich nicht; der todte Buchstabe gc nicht!

Und wenn Andere einwcndcn werden, daß ui deßwillen nicht alles Diktiren und Nachschreiben unterble ben könne, weil es an vollständigen Lehrbüchern fehle, we der Lehrer doch auch seine eigenen Ansichten mittheilen müff weil sonst die Aufmerksamkeit der Lernenden verloren geh» indem der Lehrer Nichts sage, als was schon im Buche steh rc.: so sind auch dies nur Scheingründe. Fehlt's an Br'b chcrn, so schreibt welche, und könnt oder wollt Ihr dar nicht, so laßt Eure Hefte drucken oder lithographiren uni vertheilt sie zu Anfänge des Semesters unter Eure Zuhörer, de werdet Ihr wenigstens diesen eine Marter ersparen, wenn auch nicht Euch. Da werdet Ihr Zeit gewinnen, die Sache im Zw sammenhange vorzutragen, statt in einzelnen und vereinzelten Sätzen; Ihr werdet ein organisches Ganze geben können, statt abgerissener Lappen und Fetzen.

Oder bangt Euch etwa vor Mangel an Zuhörern, wenn man Eure Hefte um die Hälfte billiger gedruckt haben kann, als sie jetzt geschrieben? Ohne Sorgen, meine Herren! Da­für eraminiren Sie ja!

(Fortsetzung folgt.)

Cassel, gedruckt bei der Wittwe Estienne.