Einzelbild herunterladen
 

gedachte Entwurf Seitens der Landstande ausgenommen und behandelt worden ist. Der Bericht des Abgeordneten Ende­mann darüber enthält in der That Alles, was man selbst unter gesteigerten Anforderungen nur erwarten konnte.

Der verehrte Herr hat seine Aufgabe mit solcher Umsicht, mit solcher umfassenden Gelehrsamkeit, und dabei mit Dar­legung einer so gesunden und markigen Lebensanschauung gelöst, daß ich eine Ilias post Homerum schreiben würde, wollte ich seinen Ausführungen in staatswirthschaftlicher und rechtlicher-, überhaupt in wissenschaftlicher Beziehung noch Etwas hinzufügen. Beispielsweise erwähne ich nur der gründlichen Entwickelung des freilich zunächst nur den Juristen von Fach interesfirenden Unterschieds zwischen Erb­pacht und den verschiedenen Arten der deutschen Leihe; so­dann aber und vor allen Dingen der nicht minder gelehrten' als von wahrhaft menschlichen Ansichten ausgehenden Aus­führung übet die Schaumburger Meierverhältnisse. Da sind lauter Ansichten, lauter Beweise, die wie die sonnenklare Wahrheit selbst überzeugen, und selbst in den Punkten, wo man dem Berichte wohl hier und da den Vorwurf allzu- großcr Gelehrsamkeit gemacht hat, selbst da möchte ich mich weit lieber lobend als tadelnd darüber aussprechen. Der Grundzug der Regierungsproposition, namentlich in Betreff des dritten Abschnittes, machte eine solche Behandlungsweise für den Berichterstatter durchaus nothwendig.

Der Gesetzentwurf geht von solchen Grundsätzen und Unterstellungen aus, daß dagegen mit leeren Deklamationen und wohlgemeinten Redensarten nicht anzukämpfen war: es galt, wenn auch nicht überall dem Principe, doch wenigstens den bedeutendsten Differenzen in der Anwendung; es han­delte sich nicht um Gewinnung der Stimmen, sondern um Ueberzeugung gegen Vorurtheil.

Es ist aber eine gewöhnliche Einrede der s. g. Historiker wider den Rationalismus, daß letzterer auf bloßer Specu- latron beruhe, daß er hohle Theorien und leere, von allem Grunde und aller Wesenheit entblößte Luftgebilde aufführe, und daß er eben deshalb nur zu bekämpfen, nicht zu besie­gen sei, der Nebelwand gleichend, gegen welche man fort und fort anrennen, sie durchbohren und zerhauen könne, und die doch immer wieder da sei, dicht und unverdrängt, aber eben nur als Nebel. Solche Einwendungen kann man der Endemannschen Ausführung nicht machen. Die hat Inhalt und Fülle, da sind die gegnerischen Meinungen auf eigenem Terrain, mit eigenen Waffen gekämpft und, man kann sagen, auch vollständig besiegt worden.

Wie der Regierungs-Entwurf, so verläßt auch der Triebt die geschichtliche Grundlage nicht; allein er bringt

mehr als ein Mal dasjenige zur klaren Anschauung, was die Proportion nur »durch ein richtiges Gefühl geleitet« ausgenom­men hat. Wo aber solche burcb kein richtiges Gefühl geleitet wurde, vielmehr einem Principe folgend, das an sich zwar richtig, in ungebührlicher Ausdehnung zur Anwendung gebracht, aber zu den heillosesten Resultaten führt auf Irrwege gerieth: da hat er den alten Schutt links und rechts von sich geworfen, und dann auf d e in se l b e n G r u n d e, aber den Anforderungen der Gegenwart Raum gebend, ein edleres, freieres und ebendarum auch fe st eres Gebäude, denn das alte, nicht niedergerissene, sondern wahrhaft niedergefaulte, aufgeführt.

Es würde Eulen nach Athen tragen heißen, in dieser Richtung hin dem Berichte noch Etwas hinzufügen zu wol­len. Das kann auch meine Absicht Nichtsein. Wer Dhreir hat zu hören, der höre!

Aber in anderer Beziehung ist noch bei Weitem nicht Alles gethan. Denn wenn auch die Anträge des betreffenden Ausschusses von der Ständeversammlung fast überall und im Wesentlichen durchgängig genehmigt und das ganze Gesetz mit großer Majorität angenommen worden; so ist doch die Zustimmung der Staatsregierung zu den meisten Aenderungen noch nicht erfolgt, und dürfte solche bei den bedeutenden Differenzen, namentlich hinsichtlich des dritten Abschnitts, auch leicht, wenn nicht gar verweigert, doch noch bedeutend verzögert werden. Die Schaumburger Verhältnisse sind aber von der Art, daß jeder Augenblick unnöthigen Verzuges in der Einführung von durchgreifenden Verbesserungen als eine wahre Ungerechtigkeit erscheinen muß.

Unter solchen Umständen sollte es daher auch außerhalb der Ständeversammlung an Meinungsäußerungen über den grdachten Gegenstand nicht fehlen; namentlich sollten erfah­rene Landwirthe und mit den dortigen Verhältnisse vertraut Beamten ihre Ansichten nicht zurückhalten, damit die Staats- regierung Kunde erhielte über die eigentliche Lage der Dinge und über dasjenige, was wahrhaft noth thut, und sich nicht irre führen ließe durch Ideen, die, auf dem Studir-Sessel entstanden, von der Wirklichkeit so weit entfernt sind, wie der Himmel von der Erde.

Am guten Willen fehlt es überall nicht. Die Propo­sition der Staatsregierung beweist das in jeder Zeile; und Zweifel hieran wäre Zweifel an der ewigen Gerechtigkeit selbst. Aber befremden muß es, wenn man sieht, mit welcher besorg- lichen Aengstlichkeit man dabei zu Werke gegangen ist, wie man immer mit der Linken bedächtig wieder hinwegnimmt, was man mit der Rechten bietet.

Unter solchen Umständen habe auch ich nicht schweigen