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Der NeeHtsfreund.

Eine Zeitschrift aus dem Gebiete d er

Verfassung, Gesetzgebung und Rechtswissenschaft Redigirt und verlegt von den Obergerichts-Anwälten Rösing, Scheffer und Schwarzenberg.

Dritter Jahrgang

^ 6.

TenutaH, den 21* Januar.

1838.

YUf diese wöchentlich zweimal erscheinende Zeitschrift kann bei allen Postämtern des In- und Auslandes abonnirt werden, Der Preis beträgt vierteljährlich 21 gGr.

Währschafts - und Hypotheken - Rechte in Kurhessen.

Vom Obergerichts-Anwalte Fr. Oetker zu Cassel,

IX.

irdische Ehefrauen können das bevorzugte gesetzliche fandrechl wegen der Brautgabe und des Eingebrachten ar vermöge der Verordnung vom 14. Mai 1816, eziehungsweise des Gesetzes vom 29. October 1833, in Anspruch nehmen.

Es ist unter den Rechtsgelehrten bekanntlich bestritten, b nach gemeinem Rechte das privilegirte gesetzliche Pfand- cht *) der Ehefrau am Vermögen ihres Mannes wegen Rückzahlung der Dos auch den jüdischen Eheweibern zu. ehe ♦*).

♦) Das privileginm exigendi muß den Jüdinnen auch nach ge­meinem Rechte unzweifelhaft zugestanden werden. Siehe Sin- trniè Handbuch des gemeinen Pfandrechts, Halle 1836, S. 323. ”•) Dergl. Glück Erläuterung der Pandekten, Bd. i9. S. m. fgg. Lhibaut System Bd. 2. §. 643. (7. Auèg,> Not. u.; von Wening - Zngenh eim Lehrbuch Bd. i. §. 168. (§. 137.) Not. p. und die daselbst Angeff. und ins Besondere SinteniS a.

<k O. S. 322.

Die Meisten verneinen die Frage *), indem Justinian in Novelle 109. Cap. 1. jenes Vorzugsrecht, was er früher allerdings allgemein gegeben habe, nur noch der orthodoxen Ehefrau zugestehe, der ketzerischen dasselbe aber ausdrücklich versage. Dagegen machen Andere **) geltend, daß der or- thodoxen Ehefrau nicht eie ungläubige (infidelis), sondern nur die ketzerische, die heterodoxe, gegenüber stehe, die Jüdinnen aber nach dem von Justinian selbst im Eingänge der Novelle aufgestellten Begriffe ***) nicht als

•) Vergl. ins Besondere außer den in der vorigen Note Bemerkten: Cramer Nebenstunden Th. 3. Nr. 2. und 3, Th. 96. S. 68 lind Walch Diss. de privil. dot. Jud. in opusc. t, 5.

’♦) S. Böhmer Jus. Eccl. Prot. tom. IV. lib. V. tit. 6. §. 62.; Gersterding Pfandrecht §. 35. S. 277. (2. Ausg.) und bei Glück a. a. O. Not. 51

**♦) Nach der Übersetzung von Homberg? heißt es nämlich daselbst: „Haereticos autem .... nos dicimus, qui diversarum hae- resium sunt: quibus conjungimus et connumeramus etiaiw eos, qui Nestorii Judaicam sequuntur insaniam, et Etr- tychianistas et Acephaloi et quicunque Dioscori et Severi pravas opiniones sectantur, qui Manichaei et Apollinaris impietatem renovant, et ante omnia, qui non sunt mein- brum sanctae catholicae et Apostolicae Ecclesiae Dei .... Illos igitur, qui immaculatam communionem in Catholic* Ecclesia a sacerdotibus ejus Dei amantissimis non accipitint haereticos juste vocamus. Nam licet illi Christiane.- rum nomen si bi imponan t, cum tarnen se ipsos a vera Christianorum 1 ide et coinmuaione separent, Del judicio sese subjicere intelliguntnr,“

Vergl. Const. 6. u, 13. Cod. Theod. de haereticis. und Böhmer 1. c. et. lib. V. tit. 7. §. 2. 4 Siehe jedoch such Wiese Handbuch des Kirchenrechts. Bd. 2. S. 100.