So spricht ein altes prophetisches Wort;
Was ist nun besser, als daß man täglich So viel davon schluckt, wie irgend möglich, Um schneller zu nahn dem Bestimmungsort? — Drum nur fidel! nur immer fort;
Und kostet es auch mitunter Blut! Durch nichts im Leben sich irren lassen!
Und alles mit Philosophie erfassen! Da wird am Ende auch Alles gut.
Bedenke doch nur, mit belebendem Strahle Scheint heute zum drei Mal neunten Male Die Frühlingssonne dir mild herab, Itnb immer noch blieb dir fern das Grab; Wer will dann zagen und viel sich grämen? Mit Aerger die strebenden Flügel sich lähmen? Hinaus in den Frühling, m's Grüne hinab!
O ja, mein Freund, mit solcherlei Lehren Da kommst du mir recht! das läßt sich hören! Ja wahrlich! wemr's anders den Herren gefällt, Und wenn mich der Teufel nicht früher holt, Bevor mir der Schuster die Stiefeln besohlt: Dann lauf' ich noch oft in die schaffende Welt Itnb schaue das duftende Frühlingsgrün Und den festlichen Schmuck der Kirschen und Schlehen, Und höre, wo rings mich Wonnen umblühn, Der Nachtigall Lied im Abendwehen So weich und klagend, wie säuselnde Winde, Wie Flötenlaute vorüberzieh'n, Und weine, Gott verzeih' mir die Sünde! Wohl kindische Thränen trotz allem Bemühn.
F-
Reflexionen.
1.
Man hat vielleicht nicht Unrecht, die Abneigung so vieler deutschen Juristen gegen das Institut der Jury aus dem nämlichen Grunde zu erklären, aus welchem die Fabrikarbeiter in England und anderswo die Maschinen nicht lieben. Die Abneigung manches Staatsbeamten gegen die Preßfreiheit dürfte dagegen wohl aus einer analogen Stimmung fließen, die manche Schriftsteller gegen strenge Critiker und Recensenten schreien macht.
2.
Die Regierungen lassen Künstler nach Italien, Naturforscher nach Brasilien auf Staatsunkosten reisen; nöthiger wäre es, junge Männer, die sich der Staatsverwaltung widmen wollen, nach England zu senden und dort eine geraume Zeit zubringen zu lassen, um zu sehen, daß man in einem der mächtigsten und blühendsten Reiche der Erde ganz anders verwaltet als bei uns; daß man dort weder eines Zentralisations - noch eines Bevormun- dungssystems mittelst eines zahlreichen besoldeten Beam- tenheeres bedarf, um die öffentlichen Angelegenheiten zu besorgen; daß man da von jenem verwickelten Verwal- tungswesen nichts weiß, worin die Staatsmänner auf dem Continent die Vervollkommnung des Staatsregiments se, tzen, daß da Alles ganz einfach und doch vortrefflich geht, während die Nation sich einer öffentlichen Freiheit erfreut, von der das, was davon in andern Ländern angetroffen wird, nur ein Schatten ist. Auch für die Mehrzahl unserer Staatsgelehrten ist dieses England mit seinen Einrichtungen und seinem Staatsleben noch eint Terra incog- nita, wovon sie häufig so viel wissen wie vom Innern Afrika's. Dennoch könnten sie dort viel, sehr viel lernen, wovon sie nicht träumen und Entdeckungen machen, die sie überraschen würden.
3.
Betrachtet man den künstlichen, komplicirten, kostspieligen Verwaltungsmechanismus und das ganze Staats- geschäftsgetriebe in so vielen Ländern, dann fällt Ei. m unwillkührlich ein, die Frage aufzuwerfen, wohin wohl unsere Rothschilde kommen würden, wollten sie ihr Rie- sengeschäft auf dieselbe Weise führen und leiten, wie unter andern namentlich das Finanzwesen manches deutschen Duodezstaates verwaltet wird? Freilich Jene müßten die Kosten selbst tragen und hier zahlt sie das Volk. Wie viele Hände und Köpfe sind fort und fort in manchen Staaten mit endlosen Schreibereien beschäftigt, um ein Staatsvermögen zu administriren, das oft nicht einmal die Fonds erreicht, womit ein großes Banquierhaus in London oder Amsterdam sein Geschäft betreibt und welches dieses mit einigen Kommis abthut! Bei unserm Con- trollirungsfysteme werden nicht selten eilf Thaler verwandt, um zu sehen wo der zwölfte geblieben ist. Eben so verhält cs sich mit andern Zweigen der öffentlichen Verwaltung. Ueberall vielfältiges «»nöthiges Geschäftstreiben von Oben herab, was denn eine Unzahl von Werkzeugen zu seiner Vollführung erforderlich macht. In Großbritannien beschränkt sich das gestimmte Geschäftspersonal im Büreau des Ministers - Staatssekretairs des Departements des Innern auf zwei Unterstaatssekretaire und achtzehn Registratoren und Schreiber.
M — d.
Cassel, gedrlickt bei Dietrich Albrecht Geeh.