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l^fldlmiA^ auf bteSchlüchtecner Zeitung" UUUys. werden noch fortwährend von all.n ---------_.. . - Postanstalten undLandbriefträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.

Neujahr 1893.

Was wird das neue Jahr uns bringen? Diese Frage schwebt auf unser Aller Lippen, und man sucht sie sich aus den Vorgängen der letzten Zeit, die noch nicht abgeschlossen in das neue Jahr hinüberreichen, zu beantworten. Erfreulicherweise hat das vergangene Jahr keine Umstände zur Beunruhigung auf dem Gebiete der auswärtigen Politik geliefert. Mit Vertrauen dürfen wir in dieser Beziehung dem neuen Jahr entgegen- blicken: denn nicht nur steht der Dreibund auf fester unerschütterter Grundlage, sondern es hat sich allgemein das ernste Bestreben, den Frieden zu erhalten und die Segnungen des Friedens für die Förderung der sozialen und wirthschaftlichen Aufgaben zum Besten der Völker auszunutzen, so deutlich erkennbar gemacht, daß Grund zu unmittelbaren Besorgnissen an der Schwelle des neuen Jahres nicht gefunden werden kann.

Aber Niemand wird daraus Veranlassung nehmen wollen und können, sich selbst in Sicherheit einzuwiegen und das Gebot der Vorsicht und der Pflichten, die daraus für unser Vaterland erwachsen, unbeachtet zu lassen. Und gerade in dieser Beziehung wendet sich heute die Nation fragend an die Zukunft: wird die Volksvertretung Einsicht genug haben, um die ihr ge­wordenen neuen Aufgaben zu lösen?

Seit langer Zeit haben Fragen der inneren Politik an der Schwelle des Jahres das deutsche Volk nicht so bewegt, wie es gegenwärtig wegen des beut Reichstage vorliegenden Militärgesetzes der Fall ist. Nach un­zweideutigen Erklärungen des Reichskanzlers steht hier­bei die wirksame Fortführung der bisherigen macht- vollen und gedeihlichen Politik des Reichs, ja sogar die Zukunft Deutschlands auf dem Spiele! Wie diese Worte nicht leichthin gesprochen sind, so sollten sie auch nicht leicht gewogen werden! Statt dessen aber sehen wir, wie allerhand Entwände dagegen znsammengetragen werden, welche darauf hinausgehen, die militärische Nothwendigkeit zu bestreiten und die wirthschaftliche Leistungsfähigkeit des deutschen Volks für die von ihm verlangten Opfer in Abrede zu stellen; und wie im Reichstage sehen wir auch in der Presse und in Versamm­lungen diese Richtschnur weiter verfolgen. Es gehört wahrlich viel Muth dazu, auch nur den Versuch zu machen, das Gewicht der Vorlage und ihrer Gründe zu entkräftigen, wo alle Sachverständigen für die militärische Nothwendigkeit der geplanten Reform eintreten und wo die Leistungsunfähigkeit des Volkes weder bewiesen ist noch bewiesen werden kann. Aber eben darum möchten wir nicht allzu trübe in die Zukunft sehen: es ist doch wohl nicht möglich, daß das deutsche Volk so seine Pflichten und Interessen, so die Lehren der Vergangenheit vergessen wird, daß es sich weigert, die Opfer zu bringen, , welche die militärische Lage in Europa als unbedingt nothwendig erheischt und die zur Erhaltung des unter schweren Kämpfen errungenen Reichs nach dem Urtheil aller Sachkundigen nicht entbehrt werden können! Bis zum Beweise des Gegentheils müssen wir daher daran festhalten, daß die Volksvertretung sich der Größe der ihr gewordenen Aufgabe gewachsen zeigen und sie in demselben Geiste der Vaterlandsliebe und des Opfer­muths lösen wird, der sich noch stets bewährt hat, wenn es sich um große Entscheidungen für das Wohl des Vaterlandes handelte.

Dieser Wunsch ist der erste und hauptsächlichste, ben wir dem neuen Jahr entgegenbringen: in ihm gipfelte Alles, was uns sonst noch auf dem Herzen liegt. Die stete und eindringliche Fürsorge unseres Kaiserlichen Herrn für das Wohl von Staat und Reich hat sich auch in dem vergangenen Jahr so vielfach und deutlich gezeigt, daß jeder wahre Vaterlandsfreund nur den Wunsch haben kann, es möchte das neue Jahr bte Früchte seiner hingehenden Thätigkeit zur Reife bringen. Möchte Gott unserem Kaiser auch in dem neuen Jahre Kraft und Gesundheit zur Erfüllung der ihm obliegenden schweren Aufgaben und nicht nur Freude an der Familie, sondern auch die Genugthuung schenken, zu sehen, wie weit in seinem Volke das Verständniß für treue Pflichterfüllung verbreitet ist. Ein Volk wie das Mm weiß, daß es nicht angelst auszuruhen und zu

rasten, sondern daß unablässig weiter gearbeitet werden muß, um, was man ererbt von seinen Vätern hat, zu erwerben, um es zu besitzen. Das ruft dem deutschen Volke auch das neue Jahr mit mahnender Stimme zu, unb es wird an dem Erfolg nicht fehlen, wenn wir stets dessen eingedenk' bleiben und demgemäß auch wirklich handeln!

Alton« beurlaubten Soldaten bei ihrer Rückkehr in die Garnison als choleraverdächtig unter ärztliche Be­obachtung gestellt.

Aus Hamburg wird unterm 29. Dezember amtlich gemeldet: Heute wurden sieben Cholerafälle konstatiert, wovon einer tödtlich verlief; vier in der Stadt, drei in den Vororten. Unter den Erkrankten befinden sich vier Alkoholisten, zwei Frauen und ein Lehrling. Der Ver­storbene ist ein Negermatrose, welcher seit Wochen wegen einer anderen Krankheit sich im Kurhaus befand. Im Hafen kamen keine Fälle vor. Nach einer Meldung desReichsanzeigers" hat die preußische Regierung angesichts der Gefahr einer Einschleppung und des Ausloderns der Cholera die Anzeigepflicht bei allen cholcraverdächtigen Fällen verfügt.

Der Bau des Hamburger Zentralbahnhofes ist auf 34 Millionen Mark berechnet, wie bereits kürzlich mitgeteilt worden ist. Im Wesentlichen ist das Projekt- dahin disponiert, daß der Frankfurter Bahnhof zum Muster genommen werden soll. Die Mehrkosten rechnen sich deshalb um so höher, als es sich für Hamburg um eine Ausdehnung von ca. 1000 Meter mehr handelt. Es wird interessieren, wie sich die Bahnhofsbauten größerer Städte in den letzten Jahrzehnten berechneten: Es kostete der Zentral- und Lokalbahnhof in Frankfurt a. M. 24 850 000 Mark, Köln 24 500 000 Mk., Hannover 19 700 000 Mk, Düsseldorf 16 300 000 Mk., Halle 10 000 000 Mk., Bremen 9 500 000 Mk., Erfurt 6 200 000 Mk., Münster 4 500 000 Mk., Hildesheim 2 650 000 Mk

Altöna, 2. Januar. Die Frau des Millionärs Hamdorff ist an der Cholera verstorben Außerdem ist ein Erkrankungsfall vorgekommen.

Saarbrücken, 2. Jan. Im Sa j rüder Gebiet streifen heute über 20,000 Bergleute, also mehr als die Hälfte der gesummten Belegschaft. Oberpräsident Rafft und das Landrathsamt Saarbrücken ließen in allen Gruben Poliz -Verordnungen anschla Auf Grube Maibach fanden grobe Excesse str. ' Se^enU gegen anfahrende statt.

Stuttgart, 28. Dez. Einen raffinirten Be'rug ver­suchte hier ein junger Mann. Er kaufte unter der erloschenen Firma eines hiesigen Engros-Geschüftes ein Postquittungsbuch. Am Abend prasentirte sodann ein 14jähriger Junge vier Posteinzahlungen für verschiedene, wahrscheinlich nicht bestehende Firmen in Mannheim und Köln im Betrage von ca. 1300 Mark und gab als Bezahlung eine Geldrolle mit 2000 Mark ab, so daß der betr. Beamte ca. 700 Mk. hätte herausgeben müssen. Dem Postbeamten schien die Rolle unecht und er ließ sie deshalb durch den Jungen selbst öffnen; eS fand sich als Inhalt ein Stück Blei vor. Der Junge wurde verhaftet. Nach dem Anstifter fahndet man.

NottweU, 28. Dezember. Ein Fall unschuldiger Berurtheilung beschäftigte dieser Tage, wie schwäbische Blätter berichten, die hiesige Strafkammer. Ein Dienst- fliegt Pfau sollte einem Schlafgenosseu 300 Mk. ge­stohlen haben und wurde deshalb am 11. März 1890 zu 2^ Jahren Zuchthaus verurtheilt, die er völlig verbüßt hat. Jetzt wurde Pfau auf Antrag der Staats­anwaltschaft freigesprochen. Der wahre Thäter, ein Schneider Stöhr, hatte ein umfassendes Geständniß abgelegt. Stöhr wurde zu einem Jahr Zuchthaus verurtheilt.

Dem in Straßburg erscheinendenElsässer" erzählt man folgende hübsche Dynamitgeschichte: Letzte Woche, als ich von M. nach Z. fuhr, war ich mit vier Herren, von welcher jede eine Zigarre rauchte, in ein und dem­selben Wagentheil. Auf einer Zwischenstation stieg eine Frau ein. Ich, der Erste an der Thür, wollte ihr behilflich sein und nahm ihr das Körbchen, das sie trug, ab.Gewc Se acht", sagte die Frau,ich hab sechs Pfund Dynamit im Korb, de mueß i mimm Mann i d' Steingrueb brenga." Schnell wie der Blitz flogen die Zigarren zum Wagenfenster hinaus, und scheu rückte jeder von der Frau ab. Diese aber setzte sich bequem hin und behielt ruhig den Korb auf den Knieen. Und trenn sie, was nicht selten geschah, zu husten anfing, fuhr ich jedesmal ängstlich zusammen nud das zertrümmerte Restaurant B^ry" in Paris stand lebhaft vor meiner Seele.Station O.", rief der Schaffner. Die Frau erhob sich.Gott sei Dank!" murmelten Alle. Ich zitterte wie Espenlaub, als ich ihr das Körbchen mit dem gefährlichen Inhalt hinnusreichte.Merci!" sagte

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser und die Kaiserin haben mit sämmtlichen Mitgliedern des Hofes Sylvester im Schlosse gefeiert. Die Neujahrs-Cour am Nenjahrstage war genau nach dem unter dem verstorbenen Kaiser Wilhelm üblichen Ceremoniel geordnet. Der Bundes­rath unter Führung des Reichskanzlers, das diplomatische Corps, sämmtliche kommandirenden Generäle brachten ihre Glückwünsche dem Monarchen dar. Der Kaiser hat sich bei dem Empfange der Generäle in kurzer Ansprache über die Militairvorlage ausgesprochen. Während der Cour wurden im Lustgarten 101 Schüsse abgefeuert. Aus Sigmaringen geht derPost" die Nachricht zu, daß der Kaiser dort am 8. Januar Abends spät auf dem Schlosse eintreffen, im Kreise der Fürstlichkeiten am 9. und 10. verweilen und am 11. Januar über Karlsruhe, wo den großherzoglichen Herrschaften ein Besuch zugedacht ist, die Rückreise nach Berlin antreten wird.

* Prinz Friedrich Karl von Hessen, der Verlobte der Prinzessin Margarethe von Preußen, gehört mit zu den reichsten Fürstlichkeiten in Deutschland. Sein Be­sitz soll die Summe von 125 Millionen Mark über steigen. Der zukünftige Schwager des deutschen Kaisers ist dem Hohenzollernhaüsc bereits durch seine Geburt verwandt, denn seine Mutter, die Landgräfin Anna von .Hessen, war die jüngste Tochter des Prinzen Friedrich Karl von Preußen, also eine Schwester des Prinzen Friedrich Karl. Die einzige Schwester der Landgräfin Anna, Prinzessin Louise von Preußen, vermählte sich im Jahre 1854 mit dem Landgrafen Alexis von Hessen- Philippsthal-Barchfeld; diese Ehe wurde im Jahre 1861 wieder geschieden. Seitdem lebt die Prinzessin Louise in Wiesbaden in strengster Zurückgezogenheit und erschien nur selten am Berliner Hofe. Ihr nahes Verwandt- schaftsverhältniß zu dem fürstlichen Bräutigam hat die Prinzessin jedoch veranlaßt, die Einladung des Kaisers anzunehmen und wird dieselbe den bevorstehenden Ver- mühlungsfeierlichkeiten beiwohnen.

Die Ansiedelungs-Kommission für Posen und Westpreußen hat im Jahr 1892 bis jetzt neun Güter, sechs in der Provinz Posen und drei in Westpreußen, erworben. In der Provinz Posen sind dies folgende: das Rittergut Gancz, Kreis Zuin, 480 Hektar; das Rittergut Kikowo und Nozcwo, Kreis Samter, 1330 Hektar; das Rittergut Laskowo, Kreis Zuin, 936 Hektar; das Gut Mieleszyn, Kreis Gnesen, 554 Hektar; das Rittergut Ultanomo, Kreis Gnesen, 531 Hektar. In Westpreußen wurden erworben: die Herrschaft Bukowitz, Kreis Schwetz, 2250 Hektar; bk Güter ^mbownlanka, Kreis Briefen, 2150 Hektar, und das Gut Körberhof, Kreis Löbau, 343 Hektar. Die gesummte Erwerbung dieses Jahres beträgt bis heute 8489 Hektar. Sämmt­liche Ankäufe befanden sich vorher in polnischen Händen. Der Geschäftskreis der Änsiedelungskommisston hat mit der stetig steigenden Zahl der Güter und Ansiedler einen ganz gewaltigen Umfang erreicht. In den zehn oder zwölf Abtheilungen der Kommission, welche die einzelnen Zweige der Verwaltung bearbeiten, sind einige 70 Beamte thätig. Mit zahlreichen Unternehmern, Lieferanten und Kommissionäre,' steht die Kommission in fortlaufender Geschäftsverbindung. Die Besiedelung selbst ist im letzten Jahre sehr bedeutend gewesen. Es sind gegen 300 Ansiedlerstellen vergeben worden.

Die amtliche KriegervereinszeitschriftParole" erklärt: Die von vielen Zeitungen gebrachte Nachricht, daß die Fahnen der Kriegervereine höherem Befehl zufolge einer umfassenden Aenderung unterzogen werden sollen und künftig den Namenszug W. R. und die preußische Königskrone führen müssen, ist unzutreffend.

Eine allgemeine Revision der Gebäudeveranlagung, wie sie das Gesetz vom 21. Mai 1861 vorschreibt, wird in den Jahren 1893 und 1894 in Preußen erfolgen. Die letzte Revision fand 1878 und 1879 statt.

Wegen der neuerdings widerholt vorgckommcuen Hamburger Cholerafälle werden die nach Hamburg und